“ Nichts gesucht. Alles gefunden“ Meine Reise auf dem Jakobsweg von Jean-Christophe Rufin [ Rezension]

Der Titel “ Nichts gesucht. Alles gefunden – Meine Reise auf dem Jakobsweg“ hat mich sehr angesprochen und ich habe mich total gefreut, als ich das Buch vom Bloggerportal zur Verfügung gestellt bekommen habe. Vielen Dank dafür!

Es ist im  Pengiun Verlag erschienen und umfasst 252 Seiten.

Zum Inhalt:

Jean Christoph Rufin beschreibt seine Reise auf dem Jakobsweg. Er wählt die Nordroute von Hendaye über San Sebastian, Bilbao, Santander, Gijòn, Ovieda, Lugo bis Santiago de Compostela.

Wie hat mir das Buch gefallen

Vorab muss man erwähnen, dass ich ein großer Fan des Buches “ Ich bin dann mal weg“ von Hans-Peter Kerkeling bin. Ich lese grundsätzlich gerne Bücher, in denen ich eine innere Veränderung der Person erleben kann und der Protagonist sich bewusst in bestimmte Lebenssituationen begibt, die nicht alltäglich sind bzw. eine persönliche Herausforderung darstellen.

Deswegen sprach mich auch diese Buch an, da ich die Idee den Jakobsweg zu begehen und zunächst einmal die sportliche Herausforderung interessant finde.

Was passiert mit einem, wenn man über eine so lange Zeit täglich geht, weit weg ist vom Alltag, Job, Freunden und Familie?

Wie verändert sich die Sicht auf das eigene Leben und was beschliesst man für die Zukunft?

Was passiert mit einem, wenn man an eigene Grenzen ( körperliche, als auch geistige) stößt?

Jean Christoph Rufin beginnt mit seinem Weg, als er den Verein “ Freunde des Jakobsweges“ in einem Viertel in Paris betritt, dort dem Verein beitritt und seinen Pilgerpass erhält. Leider fehlte mir hier schon seine eigene Motivation, warum er diesen Weg laufen möchte. Genau das war das Problem, dass ich mit dem Buch hatte. Ruffin beschreibt stellenweise sehr schön die durchwanderte Landschaft, die Problematiken der Pilgerschaft und die “ Gruppierungen“ der anderen Pilger. Dies geschieht allerdings für meinen Geschmack viel zu distanziert.

„In dem Maße wie uns das Leben formt, wie es uns mit Verantwortung und Erfahrungen belädt, erscheint es uns zunehmend unmöglich ein anderer zu werden und das drückende Kostüm abzuwerfen, das uns Pflichten, Erfolge und Irrtümer für uns geschneidert haben.“

Rufin schreibt häufig in der dritten Form “ der zeltende Pilger/ dem Pilger gefällt es….“ usw. was mich als Leser sehr auf Abstand hielt. Unabhängig davon empfand ich es als vermessen, seine Erfahrungen und Ansichten auf einen “ Protoyp- Pilger“ umzulegen.

Gleichzeitig schafft er es auch wunderbar poetische Sätze zu formulieren:

„Und dann zerbircht diese mühselige Routine, die uns in ein dahintrabendes Tier verwandlet hat, und plätzlich kommen diese Momente reiner Ekstase, in denen für die Dauer eines schlichten Gesangs, einer Begegnung oder eines Gebets der Körper aufreißt, in Stücke bricht und eine Seele freigibt, die man verloren geglaubt hat“ 

Letztlich ist dieses Buch sicher sehr geeignet, um sich einen Überblick über die Verhältnisse auf dem Jakobsweg zu verschaffen, die Beschreibung der Landschaften, die Hürden mit den Übernachtungen und auch die nicht so schönen Abschnitte werden gut thematisiert.

Der Schreibstil von Jean-Christoph Rufin ist sehr angenehm und bietet stellenweise wunderbare Formulierungen.

An den Auswirkungen dieser Wanderschaft auf seine Personen und sein Leben lässt er den Leser leider nur peripher teilhaben.

Mir fehlte hier die innere Tiefe und es war mir insgesamt zu beschreibend.

Teilen:

3 Kommentare

  1. Oktober 1, 2017 / 8:38 pm

    Liebe Isabel,
    Ich habe „Ich bin dann mal weg“ sehr, sehr gern gelesen und interessiere mich generell auch sehr für den Jakobsweg. Ich bin selbst auch schon einige Stücke davon gelaufen.
    Daher sprechen mich Bücher zu dem Thema immer sehr an. Von diesem Buch werde ich wohl aber die Finger lassen, denn was du schreibst hat mich eher abgeschreckt. Distanzierter Schreibstil und unklar Motive, keine Einblicke in die persönliche Entwicklung. Das klingt so, als würde es mir nicht gefallen.
    Danke für deine schöne Buchbesprechung.
    Liebe Grüße, Julia

    • Oktober 2, 2017 / 7:17 am

      Liebe Julia,
      danke für Deinen Kommentar. Toll, dass Du schon ein paar Teile des Weges gegangen bist, steht auch noch auf meiner TODO- Liste, wobei ich mir nicht sicher bin, ob es nicht schon zu überlaufen ist?!
      Liebe Grüße
      Isabel

      • Oktober 2, 2017 / 5:20 pm

        Der französische Jakobsweg von St. Jean Pied de Port nach Santiago de Compostela ist glaube ich ganz schön überlaufen. Aber es gibt ja noch viele weitere Jakobsweg- Strecken, die sich durch ganz Europa erstrecken. Und die sind gut ausgeschildert, aber sogar in den guten Wandermonat nicht überlaufen.
        Ich kann dir auf jeden Fall nur dazu raten. Mir hat es immer sehr gut gefallen und ich habe viele nette Menschen getroffen.
        Liebe Grüße, Julia

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.