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“1999 Meter über dem Meer” von Caroline Wahl

“1999 Meter über dem Meer” von Caroline Wahl (Hörbuch)

erschienen am 28.8.2026 als Hörbuch im Argon Verlag

Laufzeit: 9 Stunden 31 Minuten

Sprecher:innen: Lisa Hrdina

*Vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung*

Herzlichen Dank an den Argon Verlag für die Bereitstellung des Hörexemplars

Klappentext:

Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job.

Samara weiß, was sie alles nicht mehr will. Aber was sie will, das weiß Samara nicht, und sie weiß noch nicht einmal, ob das schlecht ist. Jetzt hat sie knallorange gefärbte Haare, einen schönen alten Wagen und an jedem Ort, an dem sie ankommt, einen neuen Namen. Und aufwärts soll es gehen, also richtig nach oben, nach St. Moritz in den Schweizer Hochalpen. Da kommt ein schöner Mann her, den Samara mal kennengelernt hat. Überhaupt gibt es viele schöne und reiche Menschen in St. Moritz, sehr reiche Menschen – mittendrin Samara, die jetzt nicht mehr Samara heißt. Und keine Hochstaplerin ist, sondern erfolgreiche Künstlerin.

So hat es mir gefallen:

“22 Bahnen” und “Windstärke 17“von Caroline Wahl hat mich damals sehr begeistert. Im letzten Jahr kam ich allerdings mit ihrem Roman “Die Assistentin” irgendwie gar nicht zurecht. Dementsprechend war ich neugierig, wie sich ihr neues Buch “1999 Meter über dem Meer” lesen und “anfühlen” wird.

Die Protagonistin Samira steht am Anfang ihrer Berufslaufbahn und wie so viele ist sie nicht sicher, welchen Weg sie wirklich einschlagen will. Sie ist neugierig und gleichzeitig auf eine charmante Art manipulativ. Samira nimmt in der Begegnung mit anderen immer wieder andere Rollen ein und bekommt daraufhin entsprechenden Reaktionen des Umfeldes. Sie schaut sich die “Cliches” bestimmter Branchen genau an und bedient diese dann für ihr Gegenüber. In wieweit sie das bewusst lenkt ist nicht wirklich eindeutig. Jedenfalls bringt sie dies immer wieder in interessante Situationen. Parallel zu ihrem “Ausprobieren” spielen ihre Eltern eine Rolle, die sozusagen das Gegenteil davon darstellen, was sie so erlebt. Ihr Vater hat eine Autowerkstatt und die Eltern wirken unterstützend und bescheiden.

Samira beschäftigt sich mit den “gehypten” Stationen ihrer Generation – Bali, Influencer, Projekte – beobachtet sehr gut und beschreibt diese dann eher wie eine Aussenstehende. Sie spielt mit den Cliches und Erwartungen der Anderen, allerdings ohne, dass man ihr eine bösartige Absicht unterstellen könnte.

“1999 Meter über dem Meer” ist eine Art “Hochstapler-Roman”, in dem die Protagonistin sich allerdings in Situationen wiederfindet, die sie selbst nicht glauben kann. Als sie nach St. Moritz reist und dort mit den “Reichen und Schönen” vor Ort in Kontakt kommt, nimmt ihr eigenes Leben auf einmal einen ganz anderen Lauf und durch ihren spielerischen Umgang mit der Wahrheit, findet sie sich plötzlich in einem völlig anderen Lebenskonzept wieder.

„ Alle sind unterschiedlichen Alters und wahrscheinlich auch aus unterschiedlichen Ländern und trotzdem sehen sie ausnahmslos wahnsinnig reich aus. Ich mustere einen Mann, der wirklich schlecht angezogen ist und denke, es liegt vor allem an der Selbstverständlichkeit mit der sich diese Leute in die Stühle fläzen. Die Beine lässig übereinander schlagen und Zeitung lesen.Sie sind es gewohnt bedient zu werden. Das sieht man an der Art wie sie desinteressiert in der Karte blättern und dann beinahe genervt die Hand heben. Sie gehören hier hin. Das wissen sie und das strahlen sie aus.“

Dieser Roman hat mich wieder sehr begeistern können. Die Sprache ist direkt und Szenen folgen schnell aufeinander. Ab und zu erinnert mich der Stil an die Bücher von Benjamin von Stuckrad-Barre. Die Beobachtung und Analyse, sowie den Spiegel vorhalten, all das ist in diesem Buch sehr gut gelungen.

Samira ist eine Protagonistin, die einerseits mit ihren Ängsten und ihrer Einsamkeit struggelt, die versucht sich zu orientieren und gleichzeitig sehr genau beobachtet, Lücken erkennt und ausnutzt und dann von der eigenen Realität überrascht wird.

Das Caroline Wahl hier auch mit Provokation arbeitet, wie beispielsweise die Müller-Milch Obsession von Samira, macht es für mich noch charmanter, da sie damit eigentlich genau das weiterführt, was Samira im Roman mit ihrem Gegenüber macht.

Fazit:

“1999 Meter über dem Meer” ist ein wirklich toller Roman, der sich schnell liest, manchmal schwer zu ertragen ist, aber gleichzeitig eine bestimmte Art von Herzenswärme enthält. Die Liebesgeschichte, die sich ebenfalls anband ist eher eine schöne Ergänzung, als dass sie im Fokus steht. Das Buch ist ein tolles Porträt einer Gesellschaft/ Generation, dass die LeserInnen einerseits belustigt und gleichzeitig auch etwas traurig macht.

Für mich wäre es ein Buch, dass eine moderne Ergänzung zur Literatur in der Schule wäre.

Ich habe es als Hörbuch gehört und bin sehr begeistert, wie großartig es von Lisa Hrdina eingelesen wurde.

Eine echte Lese- und auch Hörempfehlung!

Hörprobe:

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