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“Pflanzen mit Haltung” von Timo Hörske

“Pflanzen mit Haltung – Zwischen Blättern, Blüten und Befindlichkeiten”

von Timo Hörske

erschienen 2026 bei Books on Demand

umfasst 233 Seiten

*Ich kennzeichne hier die Links, die zur Autorenseite führen als Werbung*

Herzlichen Dank an den Autor für die Bereitstellung des Leseexemplars!

Werbung: Diese Rezension ist in Zusammenarbeit mit Trusted Blogs erschienen, spiegelt aber meine persönliche Meinung wieder!

Klappentext:

Was wäre, wenn Pflanzen nicht nur wachsen, sondern urteilen würden? In Pflanzen mit Haltung bevölkern eigenwillige Charaktere Fensterbänke, Flure, Terrassen und Hochbeete. Dort treffen sehr unterschiedliche Lebensentwürfe aufeinander: eitle Exoten, stoische Dauerüberlebende, empfindliche Selbstdarsteller, robuste Nutzpflanzen und missverstandene Randfiguren. Sie beobachten, kommentieren, streiten, kränken sich und verteidigen mit erstaunlicher Leidenschaft ihre jeweilige Haltung zur Welt.

So hat es mir gefallen:

Für alle, die eine Pflanze in ihrem Zuhause stehen haben und möglicherweise eine etwas persönlichere Beziehung dazu haben, ist diese Buch wie geschaffen.

Allerdings ist es auch für die Menschen, die Pflanzen Zuhause, im Büro oder generell nicht wirklich wahrnehmen, ein interessantes Buch. Die Pflanzen sind hier Beobachter von Dynamiken und Entwicklungen und sind mehr oder weniger ausserhalb des Systems. Als neutrale Beobachter kann man sie allerdings nicht bezeichnen.

Timo Hörske ist es in seinem Buch gelungen, mit kurzen Geschichten aus den unterschiedlichsten „Lebensräumen“ die Pflanzen zum sprechen zu bringen. Sie sind keine neutralen Geschöpfe, sondern haben viel mehr ihrer Art entsprechende Charaktereigenschaften, die sie im Zwiegespräch mit anderen Pflanzen oder auch Menschen in indirekter Form, geltend machen.

Ich selbst habe definitiv keinen grünen Daumen und bei uns ist mein Mann der Zuständige für den Garten. Allerdings begleitet mich eine tiefe Verbundenheit zu meinem Zitronenbaum, den ich zum Abschluss meiner ersten Ausbildung geschenkt bekommen habe. Seit fast 30 Jahren begleitet mich dieser Zitronenbaum nun schon in die unterschiedlichen Wohnungen und ist auch mit nach Norwegen und zurück umgezogen. Und ich gebe es zu, als er nach dem Umzug in den Norden wirklich geschwächelt hat, habe ich ihm auch gut zugeredet.

Somit kam „Pflanzen mit Haltung“ bei mir genau richtig an und das, obwohl sich mein botanisches Wissen sich in Grenzen hält. Aber darum geht es auch nicht in erster Linie.

In den Kurzgeschichten nimmt uns der Autor mit in die unterschiedlichsten Bereiche, wie bspw. die Grundschule, das Amt, eine WG und natürlich auch auf eine Terrasse. Die LeserInnen nehmen das Umfeld aus Sicht der Pflanzen wahr, die eine wunderbare ehrliche und stellenweise humorvolle Betrachtungsweise haben. Wunderbarerweise werden die Geschichten zu keiner Zeit zu absurd oder zu lustig. Die Balance zwischen Humor, Melancholie und Absurdität ist sehr gelungen.

Die Idee aus der Sicht der unterschiedlichen Pflanzen zu erzählen mochte ich sehr und ich habe neben den „üblichen Verdächtigen“ Yukapalme, Gummibaum, Lavendel, auch noch ein paar neue „Persönlichkeiten” kennengelernt.

Die fünfzehn Kurzgeschichten sind kurzweilig zu lesen und der Stil von Timo Hörske ist sehr angenehm, gut beobachtend und oft mit einem Augenzwinkern.

Eine meiner Lieblingsgeschichten ist “Die letzte große Zeit der Monstera”, aber auch “Das Einblatt der Klasse 2b”.

„Als das Einblatt in die Klasse 2b kam, ahnte es noch nicht dass es fortan pädagogischen Zwecken dienen sollte….Manche Kinder begegneten ihr mit rührender Ernsthaftigkeit. Andere mit einer Form von Zuneigung, die in menschlichen Beziehungen vermutlich als herzlich, in botanischen Zusammenhängen aber eher als Risiko einzustufen ist.

Seite 19/22

Besonders gelungen fand ich die „Beschreibungen“ von Situationen oder Räumlichkeiten, die so viel Kontext vermitteln und die so gut formuliert sind.

Die Kanzelei empfing ihre Mandanten mit jener gedämpften Seriosität, die entsteht, wenn eine Institution gelernt hat, dass Vertrauen vor allem eine Frage der Raumtemperatur und der richtigen Pflanzen ist.

Wer gerne ein bisschen „zwischen den Zeilen“ liest, für den ist diese Buch wie gemacht.

Im Anhang gibt es noch ein Botanisches Figurenverzeichnis, in dem die Protagonisten noch einmal genauer betrachtet werden.

Grundsätzlich mag ich es immer gerne die Nachworte in Büchern zu lesen. Hier hat mir der nachdenkliche Ansatz von Timo Hörske zu seinem Buch sehr gut gefallen.

Denn in einer Welt, die Lautstärke mit Überzeugung verwechselt und Eskalation mit Engagement belohnt, ist die stille Behauptung des eigenen Platzes eine eigene Form von Widerstand. Nicht lauter. Nicht auffälliger. Aber da. Und beständig. Das können Pflanzen besser als die meisten Menschen und es ist kein schlechter Grund, ihnen eine Weile zuzuhören.

Fazit:

“Pflanzen mit Haltung“ ist ein kurzweiliges, nachdenkliches und humorvolles Buch. Pflanzen, die beobachten, reflektieren und über alle Widrigkeiten präsent sind.

Es ist ein Buch, dass man jedem Pflanzenliebhaber nur empfehlen ( oder auch schenken) kann. Aber auch für alle die, die sich mit den Themen des gesellschaftlichen Miteinander auseinander setzen, ist es ein wirklich kurzweiliges Leseerlebnis.

Wenn Ihr noch etwas mehr über den Autor erfahren wollt, dann lest gerne das Interview unter “Menschen hinter den Zeilen”.

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