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“Noah” von Takis Würger

Buchcover Noah

Im Frühling des Jahres 2018 in Tel Aviv sitzt ein alter Mann unter einem Kumquatsbaum im Garten eines Hochhauses und erzählt seine Geschichte. Sie geht so:


“Noah” von Takis Würger

erschienen am 01.03.2021 im Penguin Verlag

umfasst 188 Seiten

*vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung*

Herzlichen Dank an den Penguinverlag für die Bereitstellung des Leseexemplars!


Klappentext:

Noah Klieger war 13, als er sich während der deutschen Besatzung Belgiens einer jüdischen Untergrundorganisation anschloss und half, jüdische Kinder in die Schweiz zu schmuggeln. Noah Klieger war 16, als er im Morgengrauen als Häftling in Auschwitz ankam, bei Minusgraden. Noah Klieger hatte noch nie geboxt, als am Tag seiner Ankunft im Konzentrationslager gefragt wurde, ob sich Boxer unter den Häftlingen befänden und seine Hand nach oben ging. Die tägliche Sonderration Suppe für die Mitglieder der Boxstaffel von Auschwitz ließ ihn lange genug überleben. Noah Klieger war 20, als die Konzentrationslager befreit wurden. Er hat drei Todesmärsche und vier Konzentrationslager überlebt in einer Zeit, in der ein Wort, eine gehobene Hand oder ein Schritt den Tod bedeuten konnten oder das Leben. Auch in den dunklen, eiskalten Stunden fand er Hoffnung, fand er Kämpfer für den Widerstand gegen die Deutschen, fand er Verbündete, die mit ihm Kartoffeln stahlen, fand er einen Arzt, der ihm das Leben rettete, fand er List und Glück und einen letzten Laib Brot.


So hat es mir gefallen:

In seinem neuen Buch “Noah” erzählt Takes Würger die Geschichte von Noah Klieger, einem Überlebenden des Holocausts. Aus den Gesprächen mit Noah entstand dieses Buch, was mit seinen 188 Seiten soviel Kraft hat und so unermesslich notwendig und wichtig ist. Auf den relativ wenigen Seiten wird ein Lebensweg erzählt, der sehr tief beeindruckt, erschüttert und nah geht.

Noah Klieger kam als Jugendlicher nach Auschwitz und kämpfte dort um sein Überleben. Mehr als einmal lag die Entscheidung über Leben und Tod in den Händen anderer und gleichzeitig waren es wieder andere Menschen, die ihm sein Weiterleben sicherten. Es ist schon erstaunlich zu lesen, wieviel “Schicksal” und Begegnungen in einem Leben “passieren” und dieses nachhaltig prägen bzw. in diesem Fall über ein Weiterleben entscheiden können. Die Grausamkeit der Lager, der Unterdrückung und Folter sind in dem Buch deutlich spürbar und gleichzeitig der Überlebenswille von Noah und das Martyrium, dem er ausgesetzt war.

Noah trat vor. Er versuchte, gerade und schnell zu gehen, den Kopf hoch zu halten, die Brust vorzuschieben, als wäre da mehr als Knochen und Haut. Die wenigen Schritte bis vor die SS- Männer kamen ihm vor wie ein langer Weg. Mengele schaute ihn an, sagte: “Links”, und gab dem anderen Offizier die Karteikarte. Noah hörte das, zwei SS-Männer zerrten ihn zur Seite, Noah ging mit. Das ist das Ende, dachte er. In ein paar Minuten bist du weg. Mach was.

Immer wenn man das Gefühl hat, es geht nicht mehr weiter, gab es einen “Lichtblick”, der ihm das Weiterleben sicherte.

Nach Kriegsende emigrierte Noah Klieger nach Israel. Von Frankreich aus bestieg er 1947 ein Schiff, die “Exodus”, dass ebenfalls in die Geschichte eingehen sollte. Es sollte Flüchtlinge, darunter viele Waisenkinder, nach Palastänia bringen. Die Briten wollten dies Verhindern und es kam zum Kampf. Noah Klieger überlebte auch dies.

Im Dezember 2018 starb Noah bei seiner Familie in Tel Aviv.

Weitere Stimmen…

Nach der Lebensgeschichte von Noah, gibt es ein Nachwort von Takis Würger, über seine Begegnung mit Noah Klieger und die Entstehung des Buches. Weiterhin komm Alice Klieger, die Nichte und letzte Blutsverwandte Noahs zu Wort.

Zum Buch und zu den Erinnerungen äußerst sich außerdem Sharon Kanister Cohen, sie ist Chefredakteurin der Yad Vashem Studies und Direktorin des Eli und Diana Zborowski Centers.

Diese Nachworte stehen noch einmal ganz für sich. Sie vertiefen die Geschichte, ergänzen und tragen zum weiteren Verständnis bei. Sharon Kanister Cohen berichtet u.a. darüber, wie intensiv der Austausch mit den Überlebenden ist, und dass diese Erfahrungen und Begegnungen die Historie in “den Bereich menschlicher Erfahrung überführt” und somit Empathie erzeugen.

Fazit:

Am Ende des Buches gibt es ein Foto von Noah Klieger und Takis Würger. Dieses Bild fand ich sehr anrührend, weil es eine Verbindung und ein Verständnis widerspiegelt. Ich bin Takis Würger dankbar, dass er eine der vielen Lebensgeschichten dieser Zeit, eine so kraftvolle Form gegeben hat. Diese Berichte sind so immens wichtig und wir können nicht genug davon lesen und berichten, um daran zu Erinnern und alles dafür zu tun, dass so etwas nie wieder geschehen darf.

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