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Durch die Nacht von Stig Sæterbakken – Leseaktion

Buchcover zu durch die Nacht

Die Buchmesse Frankfurt mit dem Gastland Norwegen steht kurz vor der Tür. Mehr und mehr häufen sich die Leseempfehlungen auf den sozialen Medien mit norwegischen Büchern. Ein Buch stach für mich vorab schon besonders heraus „Durch die Nacht“ von stieg Sæterbakken. 

#ThePassionweshare -Tandemleseaktion

Passenderweise machte der Dumontverlag eine Tandemleseaktion um dieses Buch, bei der man sich bewerben und dann mit einem Tandempartner, möglichst aus Norwegen, gemeinsam das Buch liest. Ich hatte Glück und konnte an der Aktion teilnehmen.

Meine Lesepartnerin Ulla lebt in Schweden, ist aber ursprünglich Deutsche. Wir haben uns auf deutsch ausgetauscht. Ulla hatte die gute Idee das Lesen mittels eines gemeinsamen Dokumentes zu begleiten. Hier war es nun unabhängig wie schnell jeder liest. Wir haben zu jedem Kapitel zunächst unsere Erwartungen verbalisiert und dann die Leseeindrücke festgehalten und parallel dazu die Eindrücke des anderen noch kommentiert. Das hat unglaublich viel Spaß gemacht.

Ich hätte es nie für möglich gehalten, dass man über das gemeinsame Lesen eines Textes mit jemand “Fremden”, soviel persönliches austauschen kann. Eine ganz wunderbare Erfahrung. Es war ein intensiver Austausch, auch zu sehen, wie unterschiedlich die Themen beim anderen ankommen. Das Buch als Medium, um mit einem anderen Menschen zu kommunizieren, ist wirklich toll!

Durch die Nacht
von Stig Sæterbakken
erschienen am 12.07.2019 im Dumontverlag
umfasst 288 Seiten

* vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung*


Dankeschön an den Dumontverlag für dieses Aktionsexemplar!

Klappentext:

Karl Meyer ist Zahnarzt und führt ein durch und durch bürgerliches Leben. Doch als sein erst achtzehnjähriger Sohn Ole-Jakob Suizid begeht, droht es die Familie zu zerreißen. Karls Frau Eva steht unter Schock, die Tochter Stine verstummt. Auch Karl ist in seiner Trauer gefangen. Er denkt zurück an sein Kind, vor allem aber an das, was die Familie schon vor dessen Tod auf eine Belastungsprobe stellte: Karls Liebschaft mit der deutlich jüngeren Mona. Ist es diese Affäre, die Ole-Jakob in den Tod getrieben hat? Die Schuldfrage steht im Raum – und Karl läuft davon. Er begibt sich auf eine Reise in die Slowakei. Dort hofft er, Erlösung zu finden: in einem Haus, in dem man, so heißt es, mit seinen tiefsten Ängsten konfrontiert wird – und das man entweder gebrochen oder geheilt verlässt.

So hat es mir gefallen:

Der Roman besteht aus drei Teilen. Direkt am Anfang wird der Leser mitten in die Trauer von Karl katapultiert, der seinen Sohn durch Suizid verloren hat. Die Sprachgewalt des Autors und die Beschreibung des Gefühls Trauer hat mich direkt für diese Buch eingenommen.

„Es gab nur Kälte und die Abwesenheit von Kälte. Wie mit dem Rücken zum Meer stehen. Eiskalte Knöchel jedes Mal, wenn eine Welle anrollte.Sie lief ab. Dann kam sie wieder.“

Die Sprachlosigkeit, die Ungerechtigkeit und der unterschiedliche Umgang mit der Trauer werden hier enorm gut beschrieben. Karl, seine Frau Eva und die Tochter Seine bleiben sprachlos, fassungslos zurück.

Im zweiten Teil des Buches erfährt der Leser die Vorgeschichte. Was ist dem Tod des Jungen vorher gegangen. Man erfährt, wie Kalt und Eva sich kennengelernt haben, wie die Kinder kamen. Zwischen den Zeilen liest man den schleichenden Prozess einer Beziehung, die nun lange wärt und möglicherweise keine neuen Impulse mehr bringt. Man erfährt aus der Sicht von Karl, wie er sich scheinbar mehr und mehr in der Perspektivlosigkeit einer längeren Beziehung und auch seines eigenen Lebens befindet. Folglich kommt es zu einem Ausbruch mit einer Affäre zu einer jüngeren Frau. Schnell nachdem er ausgezogen ist, merkt er, dass es nicht der richtige Weg war und kehrt zu seiner Familie zurück und das Schicksal nimmt seinen Lauf.

Das Problem mit dem 3. Teil…

In einigen Rezensionen und Besprechungen zum Buch habe ich gelesen, dass viele ein Problem mit dem letzten Teil des Buches hatten, dass der Roman ab der Mitte abgebaut hat. Mein Eindruck war mehr, dass er „umgebaut“ wurde. Es stimmt, dass sich ab der Mitte der Roman deutlich schwieriger liest. Die „Klarheit“ fehlt, es wird verschroben und die Art des Erzählers hat etwas von einem David Lynch Film. Als Leser ist man sich nicht mehr sicher was Realität und was nur noch in Karls Kopf stattfindet. Das macht es hier deutlich schwerer zu Lesen und weniger eingängig.

Die Situationen in den Kapiteln des dritten Teils wechseln stark und man tut sich schwer die Zusammenhänge herzustellen. In einem Kapitel nimmt das Buch dann fast schon Züge eines Thrillers an und die Spannung ist, zumindest in diesem Kapitel, wieder hergestellt.

In den letzten Kapiteln, hat mich das Buch ziemlich Energie gekostet. Ich hatte das Gefühl direkt in der Depression von Karl (oder auch des Autors) fest zu stecken. Ich weiss nicht, ob es jedem so geht. Ich hatte in meinen 20ern stark mit Depressionen und Panikattacken zu kämpfen, vielleicht nimmt man so etwas dann anders war. Mit dem Hintergrundwissen, dass dies das letzte Werk des Autors war, bevor dieser Suizid begangen hat, ist das Ende und gerade der letzte Teil unglaublich aufreibend und tragisch.

Fazit:

In diesem Roman steckt so viel Talent und Tiefe, dass es mich wirklich traurig hinterlässt, dass des Autor seinem Leben ein Ende gesetzt hat.

Für mich ist es ein Buch, dass noch sehr lange nachwirken wird. Die Tandemleseaktion hat mir aber auch gespiegelt, dass die Wahrnehmung zu einzelnen Szenen recht unterschiedlich sein kann, was ich sehr bereichernd fand.

„Durch die Nacht“ ist für mich ein großartiger Roman über ein schwieriges und sehr persönliches Thema und gerade zum Ende hin eine echte Herausforderung.

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