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“Es wird Zeit” von Ildikó von Kürthy

Es wird Zeit Buchcover

“Es wird Zeit”
von Ildikó von Kürthy
erschienen am 20.08.2019 im Rohwohlt Verlag
umfasst 384 Seiten
als Hörbuch im Argon Verlag erschienen


* vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung*

Ildikó von Kürthy gehört mit zu meinen Lieblingsautorinnen. Mit einer angenehmen Beständigkeit erscheint ein neues Buch von ihr, dass genau so mit meinem Erfahrungen im Leben gewachsen scheint. Sie spricht mir so oft in Ihren Büchern aus dem Herzen und häufig fühle ich mich ertappt, hat man doch vermeintlich so viel gemeinsam mit den Romanheldinnen. “Neuland” habe ich bestimmt dreimal als Hörbuch gehört und es wird mir nie langweilig. Das besondere ist, dass Fr. von Kürthy auch noch diese wunderbare angenehme Stimme hat, die ihre Bücher, die sie selbst einliest, zu einem besonderen Hörerlebnis machen. Nun habe ich natürlich direkt ihr neues Werk “Es wird Zeit” gehört.


Klappentext:

«Was soll jetzt noch kommen?» Judith ist fast fünfzig, und auf diese Frage fällt ihr leider keine zufriedenstellende Antwort ein. Die Kinder sind groß, ihr Mann ist in die Jahre gekommen und das Leben auch. Von der Liebe und dem Bindegewebe mal ganz zu schweigen. Dann stirbt ihre Mutter, und Judith kehrt nach zwanzig Jahren in die alte Heimat zurück, wo sie ein gut gehütetes Geheimnis, ein leeres Grab und einen Haufen Hoffnungen, Träume und Albträume zurückgelassen hat. Und plötzlich gerät alles aus den Fugen. Eine lebenslange Lüge stellt sich als Wahrheit heraus. Eine wiedergefundene Freundin hofft, den nächsten Sommer noch zu erleben, und will endlich wissen, was damals wirklich passiert ist. Eine Jugendliebe funkelt vielversprechend, eine Urne macht Umwege, und Judith stellt fest, dass es besser ist, sich zu früh zu freuen, als überhaupt nicht.
«Es wird Zeit» ist eine Geschichte von Schuld und Freundschaft, vom Älterwerden und vom Jungbleiben, es geht um die Heimat, die Liebe und den Tod und darum, dass am Ende nichts verlorengehen kann.


So hat es mir gefallen:

Wie bereits erwähnt habe ich das Buch als Hörbuch gehört. Hier ist anzumerken, dass es sowohl von der Autorin selbst, als auch einige “schwierige bzw. traurige” Passagen von Nina Petri gelesen werden. Das irritiert anfangs, man gewöhnt sich aber schnell dran.

Die Hauptperson Judith befindet sich in der sogenannten “Lebensmitte” und wird, durch den den Tod der Mutter und die Rückkehr in die alte Heimat, zurückgeworfen auf die Frage “ist mein Leben so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe?- und was bleibt noch für die Zukunft?”. Sie trifft dort ihre beste Freundin Anne aus Kindertagen wieder und es kommt zu einer Annäherung. Gleichzeitig wird der Rückblick auf die Vergangenheit immanent. Hätte alles auch anders laufen können, wenn man hier oder dort eine andere Entscheidung getroffen hätte?

Anne berichtet Judith von Ihrer Krebsdiagnose und Judith begleitet sie in die Klinik. Dadurch wird der Rückblick und der Ausblick auf das bisher gelebte Leben und die Zukunft, wieder in ein ganz anderes Licht getaucht. Die Fragen nach dem Lebenssinn und dem sinnvollen Nutzen der Zeit, die einem möglicherweise nocht bleibt, rückt in den Vordergund. Das klingt jetzt nach einem traurigen, schwermütigen Roman, das ist er aber nicht. Ildikó von Kürthy gelingt es wieder großartig, auch die Dinge, die beängstigend oder traurig sind, in ihrer ganz eignenen Art humorvoll zu betrachten, ohne dass etwas der Lächerlichkeit Preis gegeben wird. Dadurch entsteht für mich eine besondere Tiefe und gleichzeitig eine Art von Geschichte, die es erträglich macht diese Dinge zu betrachten.

“Die Sehnsucht nach früher und nach Dir Anne und nach dem, was hätte sein können, ist nicht zu stillen. So ist das. Und deshalb habe ich Heimweh, hatte ich schon immer und werde ich mein Leben lang haben.”

Vielleicht muss man für diesen Roman ein bestimmtes Alter haben, um einiges nachvollziehen zu können. Für mich gabe es gerade im Hinblick auf o.g. Zitat einen kleinen A-ha-Moment. Ich fühle mich innerlich eigentlich noch nicht so alt, wie ich bin und habe die Schulzeit und das “Früher” noch so dicht in meinem Kopf. Vielleicht ist das auch ein Merkmal der Generation der 70er Jahre, aber die permanente Sehnsucht, was früher war, war toll bzw. nicht alle Möglichkeiten der Jugend ausgeschöpft zu haben, beschäftigt mich oft. Ist diese “Heimwehgefühl” tatsächlich ein Heimweh nach nicht genutzten Möglichkeiten? Verhindert es die Akzeptanz, dass so wie es gekommen ist, alles eigentlich gut ist?

Ankommen im eigenen Leben und Frieden schliessen mit der Vergangenheit ist einer der Aspekte dieses tollen Romans. Das bedeutet allerdings nicht, sich zurück zu legen und nichts mehr zu wollen. Vielmehr ist es ein zur Ruhe kommen. Die Vergangenheit, mit ihren Geschehnisse und Entscheidungen zu akzeptieren, um den Fokus auf die freie Ausrichtung und auf die Gestaltung der eigenen Zukunft zu haben. Es ist nie zu spät für eine Veränderung, auch wenn man noch nicht weiss wohin….

Ildikó von Kürthy ist wieder ein wunderbarer Roman gelungen, der die großen Themen Freundschaft, Heimat und Sinn des Lebens humorvoll und wohlwollend betrachtet. Ich mag Ihre Buchthemen sehr, da sie oft mit meinen persönlichen Lebensthemen korrespondieren.

Eine klare Lese- bzw. Hörempfehlung!

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