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Es ist Sarah von Pauline Delabroy-Allard

Buchcover vor Eifelturm

Buchtitel: Es ist Sarah

Autor/in: Pauline Delabroy-Allard

Erschienen bei: Frankfurter Verlagsanstalt

Erscheinungsdatum: August 2019

Seitenzahl: 192

Kurzbeschreibung/Klappentext: Sie kommt zu spät, atemlos lachend, sie ist voller Leben. Sie spricht zu laut, zu schnell, sie ist zu stark geschminkt, ein Moment wie in Zeitlupe: Es ist Sarah. Am Silvesterabend begegnen sie sich zum ersten Mal: die Erzählerin, eine Lehrerin und frisch getrennte junge Mutter, und Sarah, die hochbegabte und exaltierte Violinistin. Beide leben in Paris, auf den ersten Blick vielleicht das Einzige, was sie verbindet. Sarah ist temperamentvoll, impulsiv, leidenschaftlich, die Erzählerin eher kontrolliert, unauffällig. Eine Freundschaft entspinnt sich zwischen diesen unterschiedlichen Frauen, die in einem Crescendo zu einer Amour fou anhebt, die alles hinfortfegt, was die Erzählerin zuvor gelebt hat: die Trennung von ihrem Ex-Mann, ihr Hadern, ihre Selbstbeherrschung. Doch so schnell und alles verzehrend ihre Leidenschaft entflammt, desto verheerender wird die Harmonie zerstört. Als Sarah erkrankt, flieht die Erzählerin nach Triest, streift alles ab außer der Erinnerung an ihre große tragische Liebe.


* vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung*
Dankeschön an die Frankfurter Verlagsanstalt für dieses Rezensionsexemplar!

Der Roman „Es ist Sarah“ ist ein Roman, der mich von der ersten bis zur letzten Seite mit seiner sogartigen Wirkung gefesselt hat. Aus der Perspektive der Ich-Erzählerin erfahren wir, wie sie Sarah kennenlernt und von deren Lebenslust und unkonventionellen Art sofort gefangen genommen wird. Die Protagonistin hat eine kleine Tochter und einen Lebensgefährten und verliebt sich Hals über Kopf in Sarah . Wir werden durch sie Zeuge einer ganz besonderen Beziehung. Einer Beziehung die von Begierde, Liebe und zu viel Nähe geprägt ist. Die beiden Frauen brauchen sich und gleichzeitig hassen sie diesen Gedanken und die Abhängigkeit dieser Beziehung. Darüber hinaus hat man das Gefühl, dass Sarah der Erzählerin all das zeigt was möglich ist, Freiheit, Wildheit und kindliche Begeisterung. All das, was sie sich als Mutter möglicherweise abspricht oder sich bisher noch nie zugetraut hat.

Die Beziehung zu Sarah ist wie ein Ausbruch für die Protagonistin aus einem vorgezeichneten Leben. Der Leser wird Zeuge, wie sich die Beziehung immer mehr zuspitzt und letztlich in einer Trennung, von Sarahs Seite ausgehend, endet. Beide leiden unter der Trennung bis zu dem Tag, an dem Sarah wieder Kontakt aufnimmt, um mitzuteilen, das sie an Krebs erkrankt ist.

So ist das also? Das Leben kann aufhören, die Liebe kann sterben, und diese Welt kann direkt daneben, zur gleichen Zeit, im gleichen Raum, vor Schönheit strahlen?

Interessant ist, dass man keinerlei Informationen über Sarahs Gefühlslage erhält, alles wird auschließlich aus der Wahrnehmung der Erzählerin berichtet. Man wird automatisch Zeuge einer sehr subjektiven Wahrnehmung und lernt Sarah nicht “objektiviert” kennen. Das aber genau treibt diese Geschichte an. Stellenweise fühlt man sich als Leser fast schon unwohl, weil man in einer Art voyeuristische Betrachtungsweise gezogen wird. Es scheint, dass die Erzählerin versucht sich über die Beziehung zu Sarah selbst neu zu entdecken und später an dem Gefühl des “Gefangenseins” in der Beziehung zerbricht.

Pauline Delabroy-Allards Schreibstil ist einzigartig mitreissend und emotional. Nicht verwunderlich, dass sie für den Prix Goncourt nominiert war.

Dieser Roman lässt einen verstört und zerwühlt zurück. Ich bin beeindruckt von diesem Buch, von der Gewalt der Sprache, der Beschreibung und der Verbindungen von Emotionalität, Landschaft, Leidenschaft und Musik.

Ich freue mich schon sehr auf das was von dieser außergewöhnlichen Schriftstellerin noch kommt!

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1 Comment

  • Reply
    [Rezension] Es ist Sarah von Pauline Delabroy-Allard – queerBUCH
    Dezember 8, 2019 at 7:01 am

    […] Seitenwandler* • […]

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