0 In Menschen hinter den Zeilen

10 (+1) Fragen an Timo Hörske

Ein Buch über Pflanzen zu schreiben, die beobachten, analysieren und in ihrem Sein eindeutig sind, ist eine wirklich tolle Idee. Das von Timo Hörske im Selbstverlag erschienene Buch “Pflanzen mit Haltung” hat mir sehr gut gefallen. Ich freue mich, dass der Autor nun auch meine 10 Fragen und noch eine Zusatzfrage beantwortet hat.


Mit Kaffee und einem kurzen Rundgang zu den Pflanzen. Manche sehen morgens erstaunlich vorwurfsvoll aus, wenn man am Vortag das Gießen auf „morgen ganz bestimmt“ verschoben hat. Danach meist Nachrichten, Mails und der Versuch, den Tag halbwegs organisiert zu beginnen.


Je nach Fenster ziemlich viel Himmel, norddeutsches Wetter und natürlich Pflanzen. Ich mag diese stillen Momente, wenn irgendwo zwischen Balkonkästen, Beeten oder Bäumen plötzlich Leben sichtbar wird – eine Biene, Wind in den Blättern oder einfach dieses ruhige Weiterwachsen.


Am besten schreibe ich spät abends oder nachts, wenn es ruhig geworden ist. Eine strenge Schreibroutine habe ich eigentlich nicht. Viele Ideen entstehen eher nebenbei – unterwegs, im Ehrenamt, in Gesprächen oder durch kleine absurde Alltagssituationen. Oft reicht ein einzelner Satz und plötzlich diskutieren zwei Pflanzen über Gesellschaft, Status oder menschliche Überforderung.


Nicht eine einzelne Person. Inspiration kommt bei mir eher aus Beobachtungen, Begegnungen und Menschen mit einem besonderen Blick auf die Welt. Und vielleicht ein kleines bisschen auch aus Trotz. Meine Deutschlehrerin war nämlich fest davon überzeugt, meine Aufsätze seien eine Katastrophe – zu lang, zu ausschweifend und meistens irgendwie am Thema vorbei. Rückblickend betrachtet war das vermutlich einfach eine sehr frühe Form literarischer Stilfindung.


Sehr surreal. Man arbeitet so lange mit Texten auf dem Bildschirm, dass ein echtes Buch plötzlich fast unwirklich wirkt. Und gleichzeitig war da dieser Gedanke: Aus einer kleinen Idee über sprechende Pflanzen ist tatsächlich ein richtiges Buch geworden. In dem Moment fühlt Schreiben plötzlich sehr real an – auch im wörtlichen Sinn, weil das eigene Denken auf einmal Gewicht bekommt.


Die Zamonien-Romane von Walter Moers finde ich einfach genial. Diese Mischung aus absurdem Humor, skurriler Fantasie und gleichzeitig unglaublich detailreicher Welt hat mich immer fasziniert. Und ehrlich gesagt gibt es dort mindestens genauso verrückte Pflanzen wie in meinen Geschichten – vielleicht habe ich mich deshalb zwischen all dem Blattwerk direkt zuhause gefühlt.


Definitiv mein Kleingarten. Nicht nur wegen der Ruhe oder weil dort immer irgendetwas wächst, sondern weil man dort wunderbar mit Pflanzen reden kann, ohne sofort schief angeschaut zu werden. Außerdem ist ein Garten einer der wenigen Orte, an denen gesellschaftliche Diskussionen ganz selbstverständlich zwischen Kompost, Gießkanne und Tomatenpflanzen stattfinden dürfen.


Ja – ein ziemlich mitgenommenes Ledernotizbuch mit ständig wechselndem Inhalt. Da landen Ideen, halbe Dialoge, absurde Beobachtungen oder einzelne Sätze drin, die später vielleicht einmal eine Geschichte werden. Es sieht inzwischen ehrlich gesagt ziemlich schlimm aus, aber genau deshalb mag ich es wahrscheinlich so gern.


Ich würde gern richtig gut zeichnen können. Gerade für Pflanzen mit Haltung wäre es spannend, die Figuren genauso aufs Papier bringen zu können, wie sie im Kopf existieren.


Wahrscheinlich mit Kurt Tucholsky oder Erich Kästner. Menschen, die mit Humor sehr präzise auf Gesellschaft schauen konnten, ohne dabei laut werden zu müssen.


Wahrscheinlich tatsächlich die Monstera. Nicht nur wegen ihrer Optik, sondern weil sie perfekt zu vielen Themen des Buches passt: Mode, Selbstinszenierung, Zeitgeist – und gleichzeitig diese etwas melancholische Erkenntnis, dass jede große Trendpflanze irgendwann mit sich selbst und ihrer eigenen Vergangenheit konfrontiert wird.

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