0 In Menschen hinter den Zeilen

Mein Interview mit Barbara Handke auf der Buchmesse in Leipzig

Barbara Handke Autorin

Foto: Kristen Stock

Im letzten Jahr habe ich den Roman „Wo ist Norden von Barbara Handke gelesen und mochte besonders die Atmosphäre und die Charaktere dieser Geschichte.

Ich habe mich gefreut, dass ich die Möglichkeit hatte, im Rahmen der Buchmesse in Leipzig, Barbara zu einem Gespräch zu treffen. Glücklicherweise fanden wir ein ruhiges Plätzchen und konnten uns ungestört bei Kaffee und Tee unterhalten.

Erstes Thema unseres Gespräches war selbstverständlich ihr neues Buch, die Erzählung „Sommergäste“, das gerade frisch erschienen ist.

 „Sommergäste“ versetzt uns zurück in die Zeit der 70er-Jahre. Es geht um Hubert, der mit seiner Mutter eine kleine Pension betreibt. Seine Mutter will ihn in diesem Sommer unbedingt unter die Haube bringen. 

Nachdem „Wo ist Norden“ im Selfpublishing verlegt wurde, ist „Sommergäste“ in dem neu gegründeten Leipziger Verlag edition überland erschienen.

Woher kam die Idee zu der Erzählung „Sommergäste?

Ich fand in einem Haus im Schwarzwald alte Gästebücher. Offenbar war dort in den 60er-und 70er-Jahren eine Pension betrieben worden. Die Einträge waren von einem ganz anderen Verständnis von Urlaub geprägt als heute: Viele der Gäste kamen Jahr für Jahr wieder und hatten keine großen Ansprüche an Unterhaltung oder Komfort. Ich wusste gleich, dass ich daraus etwas machen würde.

Sind autobiographische Anteile in dem neuen Buch enthalten?

Es ist kein autobiographischer Text. Aber mit etwas Abstand erkenne ich doch ein Lebensgefühl wieder, das mit meiner Kindheit zu tun hat. Der Erzähler Hubert ist ein Mensch, der von vielen nicht ernst genommen wird. Es ist diese Situation, in der man wenig selbst zu bestimmen hatte, die ich aus meiner Kindheit kenne. Außerdem hatten wir früher auch immer sehr viel Besuch, besonders im Sommer, weil wir in der Nähe der Ostsee wohnten.

Wie unterscheidet sich für dich das Veröffentlichen im Selfpublishing im Vergleich jetzt zum Verlag?

Das Selfpublishing war für mich zwar eine sehr spannende Erfahrung, aber die Zusammenarbeit mit einem Verlag ist viel einfacher. Die Aufgaben sind besser verteilt, ich nicht muss nicht mehr alles alleine machen. Bei der edition überland hatte ich trotzdem große Mitsprache- und Mitgestaltungsmöglichkeiten.

Du bist gelernte Buchhändlerin, hast Anglistik und Soziologie studiert und arbeitest als Lektorin und Dozentin. Hat dir deine Branchenkenntnis beim Schreiben und Veröffentlichen geholfen?

Beim Schreiben hilft mir, dass ich auch sonst mit Sprache arbeite. Für das Veröffentlichen braucht man eigentlich keine große Branchenkenntnis, aber es schadet auch nicht, die Prozesse und Strukturen zu kennen.

Wolltest du schon immer schreiben?

Meine Eltern waren beide Musiker und wollten gerne, dass ich diese Richtung auch einschlage. Ich habe lange Geige gespielt, aber irgendwann gemerkt, dass es das nicht ist. Das Schreiben war von Anfang an etwas, was ich für mich selbst gewählt hatte. Schon als Kind war ich davon fasziniert.

Zu welcher Zeit kannst du am besten schreiben bzw. hast du eine Schreibroutine?

Ich schreibe morgens. Nicht sehr früh morgens, aber spätestens 9 Uhr muss ich anfangen, damit es etwas wird. Dann schreibe ich drei bis vier Stunden am Stück. Am besten geht es, wenn ich anderweitig nicht stark eingebunden bin und den Kopf frei habe. Wenn viel anderes zu tun ist, schreibe ich Skizzen, Tagebucheinträge oder Briefe, das geht zu jeder Tageszeit und auch, wenn ich nur zehn Minuten Zeit habe.

Welches Buch hat dich beeindruckt?

Gerade habe ich „Zwei Schwestern“ von Dorothy Baker wiedergelesen. Die beiden Hauptfiguren werden ohne lange Beschreibungen und Erklärungen sehr lebendig. Besonders beeindruckt mich der Tonfall, in dem die Autorin die Figuren sprechen lässt, denn er vermittelt schon den ganzen Konflikt zwischen den beiden.

Wenn du dir ein Land aussuchen könntest, in welchem würdest du gerne leben und warum?

Eigentlich lebe ich gern hier und weiß die Freiheiten und Möglichkeiten zu schätzen. Ich habe großes Fernweh, freue mich aber nach jeder Reise, wieder zurückzukommen.

Es war sehr schön Barbara Handke persönlich kennengelernt zu haben. Gerade lese ich „Sommergäste“ und werde es hier demnächst vorstellen. Vorab kann ich aber sagen, dass ich es bereits nach den ersten Seiten schon sehr mag!

Vielen Dank für das schöne Gespräch und den interessanten Austausch!

Loading Likes...

You Might Also Like

No Comments

Leave a Reply

Ich akzeptiere