Bärbel Schäfer “ Meine Nachmittage mit Eva -Überleben nach Auschwitz“ [ Rezension]

Bärbel Schäfer “ Meine Nachmittage mit Eva -Überleben nach Auschwitz“ [ Rezension]

„Meine Nachmittage mit Eva – Überleben nach Auschwitz“ von Bärbel Schäfer

habe ich als Rezensionsexemplar vom Bloggerportal erhalten. Herzlichen Dank dafür!

Dieses bemerkenswerte Buch umfasst 224 Seiten und ist im Güthersloher Verlagshaus erschienen.

Bärbel Schäfer– Journalistin und Moderatorin erzählt die Geschichte der Shoa-Überlebenden Eva Szepesi und spiegelt mit Hilfe von Evas Erzählungen ihre eigene Lebens- und Familiengeschichte.

Zum Inhalt:

Zwei Frauen, zwei Generationen, zwei Erfahrungswelten: Bärbel Schäfer und die 85 jährige Eva Szepesi. Eva, 1932 in Ungarn geboren, trägt die tätowierte Nummer auf dem Unterarm. Sie war elf Jahre, als sie vor den Nazis fliehen musste und nach Auschwitz deportiert wurde. Jeden Mittwoch besucht Bärbel Schäfer die Freundin. Die beiden sprechen über Gewalt, Schrecken und Angst, aber auch über Freundschaft, Toleranz und Respekt. Diese Begegnung löst bei der Journalistin und Moderatorin ein persönliches Nachdenken über die Haltung in der eigenen Familie, ihre Geschichte und den Umgang mit der Vergangenheit aus.

So hat mir das Buch gefallen:

“ Meine Nachmittage mit Eva“ ist ein wichtiges Buch in dieser Zeit.

Bärbel Schäfer reflektiert mit einer sehr aufrichtigen und suchenden Haltung, Ihre Familiengeschichte und Lebenswelt vor den Geschehnissen der NS Zeit und den Erzählungen von Eva Szepesi. Behutsam, atmosphärisch und feinfühlig erzählt sie Evas Geschichte.

Ihr gelingt es mit diesem wunderbaren Schreibstil den Leser “ mit an den Tisch zu holen“, wenn Eva von ihrem Leben erzählt.

„Vom Leben reden. Wir schenken uns Zeit zum Reden. Ein Leben, das Leerräume hinterlässt. Das Aufzeichnungsgerät surrt leise. Die Kaffeemaschine tropft Wasser durch den Filter. Wir sprechen über Kriegstraurigkeit und Alpträume. Die lebenslange Sehnsucht nach der geliebten Familie. Die lebenslange Sehnsucht nach der geliebten Familie. Den Versuch den Lebensschmerz zu begreifen.“

Früh kamen mir die Tränen und es kostete Kraft die Geschichte auszuhalten und sich die Frage zu stellen, wie die eigene Familie sich in dieser Zeit verhalten hat.

Durch die Sprünge von Evas Geschichte zu ihrer eigenen aktuellen Lebenswelt, gelingt es nochmal eine größere Dimension des Schreckens aufzuzeigen. So beschreibt Bärbel Schäfer im Kapitel “ Herzplatzen“ die Hochzeit von Freunden und spiegelt hier, wie anders Evas Hochzeit nach dem Krieg war, das kaum Überlebende ihrer Familie an diesem Tag teilnehmen konnten, wie groß der Einschnitt im Leben aller war.

Evas Geschichte, als 11 jähriges Mädchen allein ins KZ Auschwitz zu kommen und zu überleben und mit diesem Erlebten weiterzuleben ist kaum vorstellbar.

“ Große Koffer mussten alle stehen lassen. Darin noch ein Stück des früheren Lebens. Abschied vom alten Sein.“

Bärbel Schäfer erzählt und beschreibt die Erlebnisse und die Traumatisierung von Eva Szepesi auf behutsame Art und Weise und wie lange es braucht über das Unbegreifliche überhaupt reden zu können.

Fazit:

Ich lese dieses Buch und bin atemlos über den Schrecken und auch darüber, wie wenig dies in Deutschland noch erinnert wird.

Wie ist “ das Nachkriegsdeutschland “ mit seiner Geschichte umgegangen?

Wie haben sich die eigenen Familien verhalten?

Das Kapitel “ Wehret den Anfängen“ beschreibt erschreckend, wie wenig aus der Geschichte gelernt wurde und wie aktuell es leider immer noch ist.

Nach der aktuellen Nachrichtenlage wird es leider noch präsenter –

Wie verhalten wir uns heute mit unserem Wissen um die Geschehnisse?

Wie gehen wir damit um?

Wie agiert die Politik und unsere Mitmenschen?

Ich hoffe, dass Bücher, wie dieses hier dazu beitragen, Augen und Herzen zu öffnen und aus der Geschichte zu lernen!

“ Mein Nachmittag mit Eva“ ist eine klare Leseempfehlung, die meines Erachtens auch unbedingt in den Unterricht unserer Schulen gehört!

 

Folge:
Teilen:

5 Kommentare

  1. Februar 18, 2018 / 7:36 pm

    Hallo Isabel!

    Ich konnte mit dem Buch ganz und gar nichts anfangen. Bärbel Schäfer hat sich viel zu sehr in den Vordergrund gespielt. Ich fand es scheinheilig zu sagen „Ich bin nicht gläubig“ und zeitgleich als Erwachsene zum Judentum zu konvertieren. Warum konvertiert man zu einer Religion wenn man nicht gläubig ist? Wozu dann der ganze Aufwand?

    Sie sieht mir alles zu schwarz-weiß. Es gibt zu viele Grautöne dazwischen. Wie würden wir heute reagieren? Was waren die Alternativen? Wie entscheidet man wenn man bedroht wird? Entweder du fügst dich oder wir tun deinen Kindern etwas an. Wie reagiert man da? Wie entscheidet man?

    Und dann noch die Geschichte mit ihrem Mann. Seine Affäre rund um Drogen und Menschenhandel. Diese Geschichte lässt sie gekonnt außen vor. Sorry, dass ist mir zu scheinheilig. Die gute Dame sollte lieber mal vor ihrer eigenen Haustür kehren, bevor sie ihre gesamte Familie öffentlich derart verurteilt.

    Liebe Grüße
    Sabrina
    #litnetzwerk

    • Februar 18, 2018 / 8:11 pm

      Liebe Sabrina,
      Dein Aspekt dieses Buches habe ich auch stellenweise gesehen, allerdings fand ich es dennoch gut, dass sie als Journalistin Eva eine Plattform und die Möglichkeit bietet die Geschichte zu erzählen. Unabhängig von ihrer teilweise sehr einseitigen Sichtweise, schafft es das Buch den Leser zu animieren über die Thematik nachzudenken und sich und die eignen Handlungsweise zu hinterfragen. Das empfinde ich notwenig und wenn es nur bei einigen etwas bewirkt, hat sich das Buch doch gelohnt.
      LG
      Isabel

  2. Februar 17, 2018 / 6:43 pm

    Vielen Dank für diesen Buchtipp. Es klingt sehr gut und soooo wichtig! Ich bin derzeit auf der Suche, nach Büchern zu dieser Thematik, die ich noch nicht kenne für die Challenge „Wider das Vergessen“ von lesefreude.at. Da kommt das Buch wie gerufen.

    glg Franzi

    • Februar 18, 2018 / 7:26 am

      Liebe Franzi,
      die Challenge “ Wider das Vergessen finde ich auch super.
      Ansonsten kann ich Dir dazu auch noch “ Der letzte Überlebende“ sehr empfehlen.
      Ganz liebe GRüße
      Isabel

      • Februar 18, 2018 / 8:36 am

        Ach besten Dank, das schau ich mir direkt an!

        glg Franzi

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich stimme zu.