“Dunkelgrün fast Schwarz” von Mareike Fallwickl [ Rezension]

“Dunkelgrün fast Schwarz” von Mareike Fallwickl [ Rezension]

 

„ Dunkelgrün fast schwarz“ Roman von Mareike Fallwickl

umfasst 474 Seiten

Erschienen 2018 bei der Frankfurter Verlagsanstalt

Klappentext:

Moritz, Raffael und Johanna sind immer zu dritt, doch ihre Freundschaft ist Gift.

Sechzehn Jahre vergehen, bis das fatale Dreieck erneut zusammenfindet und die Vergangenheit sie einholt- mit unberechenbarer Wucht.

 

So hat es mir gefallen:

„ Dunkelgrün bis schwarz“ ist mir in den letzten Wochen in den sozialen Medien überall begegnet und das mit großen Lobeshymnen.

Meistens bin ich etwas skeptisch, wenn ein Buch oder auch Film so „ gehypt“ wird. In diesem Fall muss ich allerdings vorwegnehmen, dass es hier berechtigt ist.

Das Buch ist für mich schon jetzt das Highlight im Jahr 2018!

Woran liegt es?

Mareicke Fallwickl schreibt, auf eine sehr leidenschaftliche Art. Ihre Sprache trifft den Leser direkt und zieht ihn mit, in einen Strudel der Emotionen.

„Meine Gefühle sind wie ein Duft, den niemand jemals auf die Art wahrnehmen wird, wie ich es tue, weil er sich, sobald er in die Luft gesprüht wird, in tausend kleine Teile zersetzt und anders riecht als gedacht.“

Nach der Lektüre ist man im positiven Sinn „durchgewirbelt“.

Die Charaktere, die Umgebung und die Atmosphäre sind fast greifbar und ziehen den Leser förmlich ins Buch. Bereits nach kurzer Zeit empfindet man eine Verbundenheit mit den Personen, auch wenn diese Verbundenheit mit unterschiedlichsten Gefühlen einhergeht.

Ich liebe es, wenn Geschichten aus immer wieder wechselnden Perspektiven erzählt werden, was hier der Fall ist. Durch diesen Perspektiv- und Zeitwechsel entsteht eine Spannung und letztlich ergibt sich ein zusammengesetztes Gesamtbild. Es entsteht ein umfassender Eindruck von einem Personenkonstrukt, das durch Zufälle aufeinander getroffen ist und nun als System agiert.

Die Art und Weise, wie die handelnden Personen und auch die Nebenfiguren, wie die Eltern von Moritz und Raf, in der Geschichte zusammenhängen, wirft existentielle Fragen auf:

  • Wer ist gut, wer ist böse?
  • Wer hat welche Verantwortung?
  • Wo muss man eingreifen, wann hat man eine Gelegenheit dazu verstreichen lassen?- und Welche Auswirkungen hat dies auf zukünftige Entwicklung?

Moritz lernt als kleiner Junge den gleichalten Raf kennen, als er gerade mit seiner Mutter und seiner kleinen Schwester in ein kleines Österreichisches Dorf gezogen ist. Sofort sind beide enge Freunde. Die Freundschaft ist allerdings nicht gleichberechtigt. Raf hat eine ganz besondere Macht über Moritz. Diese löst bei Moritz gleichzeitig Angst, als auch Bewunderung aus.

Das Freundschaftskonstrukts von Moritz, Raffael und Johanna, die später zu den Freunden dazustößt, ist interessant im Hinblick auf die Auswirkungen, die eine Kinderfreundschaft auf das Leben als Erwachsener haben kann.

Diese erste prägende Erfahrung einer Freundschaft kombiniert mit dem ersten tiefen Vertrauen und Verbundenheit einem Menschen gegenüber, der nicht zur Kernfamilie gehört, ist etwas besonderes. Wie sich der „ Missbrauch“ einer solchen Beziehung auf das Erwachsenenleben auswirkt, wie Muster gebildet werden und die Loslösung davon enorm schwierig sein kann, wird hier grandios erzählt.

“Ich habe so vieles nicht gesagt, und ich werde es nie tun. Manchmal liegen die Beziehungsgeflechte offen vor mir, wine Gewirr aus Fäden, das vom einen zum anderen führt, sich verwickelt, unterbrochen wird,….Nun taumeln wir alle durch dieses Labyrinth aus Fäden und bluten aus unsichtbaren Wunden.”

Ein tolles Erzählelement ist für mich die Komponente das Moritz an den Menschen, die er trifft ” Farben sehen kann”. Er hat die Fähigkeit den ” Geist/ Aura” eines Menschen wie Farben an einem Menschen sehen zu können. Das unterstreicht wunderbar seine sensible Art und sein Feingefühl. Obwohl er Raf auf dieser anderen Ebene ” wirklich” sehen kann, ist er dennoch nicht in der Lage seine Macht zu erkennen und sich abzugrenzen. Mir gefällt diese weitere Dimension in diesem Roman sehr gut.

Fazit:

” Dunkelgrün fast schwarz” hat mich auf eine besondere Art erreicht. Zum einen durch diese wunderbare Sprache, die sowohl poetisch, als auch hart und vor allen Dingen wunderbar zu lesen ist. Zum anderen durch das Thema, das tief berührt und auch die ein oder andere Kindheitswunde wieder aufflackern lässt. Es ist nicht leicht zu diesem Buch ein Fazit zu schreiben, denn ich habe das Gefühl, dass es noch lange in mir nachwirken wird und mehr kann man glaube ich nicht von einem gelungenen Roman erwarten!

Anmerkung:

Eine tolle Ergänzung zu diesem Buch ist auch das passende Interview bei Novellieren:

„ Vier Frauen, ein Buch“ wie dieses Buch entstanden ist aus Sicht der Autorin, Lektorin, Literaturagentin und Verlag

 

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2 Kommentare

  1. Juni 16, 2018 / 1:16 pm

    Und wieder eine begeisterte Rezension! Ich war auch mehr als skeptisch, weil es so hoch gelobt wird, aber so viele Blogger*innen auf deren Meinung ich Wert lege, berichten so wundervoll darüber – ich glaub ich komm bald um einen Kauf nicht mehr rum 😀

    Hab ein feines Wochenende!

    • Juni 17, 2018 / 6:14 pm

      Liebe Janna,
      ja, hol es Dir. Ich fand die Sprache auch so toll.
      Bin gespannt, wie es Dir gefällt, wenn Du es lesen solltest.
      Ganz liebe Grüße und noch einen gemütlichen Sonntag Abend
      Isabel

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