Juwel unter Vorurteilen begraben…

Eine Buchempfehlung von “ Altes Land“ von Dörte Hansen

„Altes Land“ von Dörte Hansen hätte ich möglicherweise nie gelesen.
Das Buch entspricht von der Covergestaltung gar nicht meinem Geschmack.
Bereits mehrfach hatte ich es in verschiedenen Buchhandlungen in der Hand, man kommt ja an so einem Spiegel-Bestseller nicht so einfach vorbei, aber jedesmal hatte ich folgende Gedanken/ Assoziationen dazu:

– Zum Titel: “ …habe keine Lust auf Geschichten von früher und vom Land…“
– zum Coverlayout: „…Vogel mit Beere- bieder bis spießig“-spricht mich gar nicht an
-zum überflogenen Klappentext: “ Flüchtlingskind/ Ostpreußen-och nee, oll…“

Am letzten Schultag vor den großen Ferien gingen die Kinder und ich traditionell in den örtlichen Kinderbuchladen, um Ferienlektüre auszusuchen. Der Laden, hat neben seinem Hauptsortiment Kinder- und Jugendücher, auch immer ein paar Romane und Belletristiktitel an der Theke stehen. Angesteckt von der Euphorie der Kinder, schaute ich mich um.
Die nette Besitzerin legte mir direkt “ Altes Land“ ans Herz. Ich war skeptisch, aber sie war so begeistert und meinte, dass man sich gerade als Mutter in der heutigen Zeit darin gut widerfinden würde. – Diese Aussage passt jetzt so gar nicht zu meinen Überlegungen, die Begeisterung der Dame hat mit überzeugt und es landete im Urlaubsgepäck.

In Frankreich, dann die große Überraschung- zwei Tage abgetaucht im “ alten Land“ und restlos begeistert.

Der Roman, der bereits 2015 erschienen ist, umfasst 287 Seiten und ist Dörte Hansens Debütroman.
Er beginnt in der Zeit des 2. Weltkrieges mit der Flucht von Hildegard von Kamcke aus Ostpreußen ins “ Alte Land“- dem Landstrich südlich von Hamburg. Sie strandet dort in einem alten Bauernhaus. Dieses erbt später ihre Tochter Vera, nach einigen Wendungen des Schicksals.
Paralell zur Vergangenheit, wird die Geschichte von Veras Nichte Anne erzählt, die sich mit einem Kleinkind und einer fraglichen Beziehung in Hamburg-Ottensen befindet und durch den Betrug Ihre Freundes ins alte Land zu Ihrer Tant flüchtet.
In dem alten Bauernhaus treffen die beiden Frauen aufeinander, die auf der Suche nach ihren Wurzeln sind.
Der phantastische Schreibstil von Dörte Hansen schafft es, auch mittels kleiner Sätze viel Inhalt zu erzählen.
Die Charaktere sind eigen und durch ihre Historie geprägt. Auch kleine Nebenfiguren haben Tiefe und Charakter.
Die unterschiedlichen Zeitstränge sind wunderbar verknüpft und die Härte und Absurdität der Ereignisse sprechen für sich.
Es ist ein zutiefst menschliches Buch.
Jede der Personen versucht die Höhen und Tiefen seines/ ihres Daseins zu meistern und durch kleine Veränderungen entsteht Hoffnung.
Sicherlich wird jeder Leser etwas anderes aus diesem Buch mitnehmen können und genau aus diesem Grund ist es so besonders.
Dieser Roman ist humorvoll, herzlich, schrecklich, traurig und tröstlich – genau das schaffen nicht viele Geschichten.

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2 Kommentare

  1. September 30, 2017 / 2:06 pm

    Hallo Isabel,
    genau aus den Gründen, die du oben genannt hast, habe ich bisher nicht zu diesem Buch gegriffen, obwohl es mir bereits mehrmals empfohlen wurde. Eigentlich schade, wenn ein Cover schon so abschreckend ist. Deine Rezension bzw. Empfehlung macht mich nun doch wieder neugierig. Vielleicht muss ich echt mal meine Bedenken beseite schieben und mich an dem Buch versuchen. Ich werde mal schauen, ob die Bücherei es hat.
    LG
    Yvonne
    #litnetzwerk

    • September 30, 2017 / 4:13 pm

      Hallo Yvonne,
      berichte mal, ob es Dir gefallen hat, solltest Du es doch noch lesen:)
      LG
      Isabel

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