” Mit anderen Augen- wie ich durch meine Tochter lernte die Welt neu zu sehen” von Fabian Sixtus Körner

” Mit anderen Augen- wie ich durch meine Tochter lernte die Welt neu zu sehen” von Fabian Sixtus Körner

von Fabian Sixtus Körner

Erschienen bei Ullstein Extra

Umfasst 221 Seiten

* vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung*

 

Abenteuerroman war das Thema bei der -#ReisedurchdieGenres im August.

Die „klassischen“ Abenteuerromane a`la Jules Verne haben mich so gar nicht angesprochen, was tun?

Ich habe mich durchs Netz gegoogelt unter dem Thema „Abenteuerroman“ und es wurden so viele „alte Schinken“ angeboten, dass ich schon kurz davor war das August-Genre auszusetzen. Letztlich stieß ich per Zufall auf dieses Buch von Fabian Sixtus Körner.

Laut der Definition bei Gerngelesen:

„Einen Abenteuerroman definieren wir dabei als eine Handlung, bei der der Held aus seiner gewohnten Umgebung in eine neue gefährliche Welt aufbricht“

bin ich der Meinung das „Mit anderen Augen“ doch sehr gut in dieses Gerne passt.

Oft sind es ja die vermeintlich kleinen Abenteuer, die schon eine große Veränderung bringen und das was man als Abenteuer empfindet lässt sich ja auch je nach Typus sehr unterschiedlich interpretieren.

Worum geht es:

Fabian und seine Freundin sind „Weltenbummler“ gerne unterwegs, ungebunden an normal Alltagsjobs, interessiert an fremden Ländern und Kulturen. Mit der Entscheidung eine Familie zu gründen, wissen sie, dass sich möglicherweise etwas Ändern wird an ihrem Lebensstil. Dann kommt Yanti mit der Diagnose „Downsyndrom“ zur Welt und alles ändert sich.

So hat es mir gefallen:

Zunächst bekommt man einen Eindruck, wie die Lebenswelt von Fabian und seiner Freundin Nico aussieht. Es ist schön zu lesen, dass beide sich bereits seit Schulzeiten kennen und wie sie leben. Die Entscheidung für ein Kind beschäftigt die beiden natürlich genauso, wie alle Eltern.

Wie wird es mit einem Baby sein?

Können wir noch weiter Reisen?

Ändert sich wirklich alles?

Jeder, der Kinder hat kennt ja die Sprüche, der anderen nach dem Motto „ Dann könnt ihr aber nicht mehr…“ etc.

Fabian Sixtus Körner geht damit sehr ernsthaft um. Er hinterfragt die vermeintlichen Veränderungen genau und was sie für ihn langfristig bedeuten würden. Er versucht für sich einen Weg zu finden im Alltag etwas Abenteuer zu finden, sogenannte ‚“Mikroabenteuer“ ( Schlafen unter freiem Himmel im Stadtpark), um ggf. fehlende Reisen zu kompensieren. Es funktioniert so aber nicht und es folgt die Erkenntnis:

„Das Wichtigste sind die Menschen, die uns begleiten….Einer dieser Menschen stand vor mir und  ein weiterer würde bald hinzukommen.“

Das Buch hat mich vor allem durch die Ehrlichkeit und die Selbstreflektion des Autors begeistert.

Als Yanti auf die Welt kommt und klar wird, dass sie möglicherweise das „ Downsysndrom“ hat, hadert er mit seinem Schicksal, lässt „schlimme“ Gedanken zu und äußert diese auch im Buch.

Man begleitet ihn, wie er sich auf den Weg macht mit dieser neuen Situation umzugehen. Man lernt das Spannungsfeld kennen zwischen der umfassenden Liebe zu Yanti und den Ansprüchen und Reaktionen der Gesellschaft. Hier werden einige Dinge angesprochen, die den Leser sicher zum nachdenken anregen werden. Zum Beispiel wie unser Schulsystem mit Kindern wie Yanti umgeht oder die grundsätzliche gesellschaftliche Akzeptanz. Auch erzählt Fabian Sixtus Körner über die Erfahrungen, die sie in anderen Ländern mit Yanti erleben durften.

Das Abenteuer mit der neuen Lebenssituation umzugehen, mit den Reaktionen von Aussen und sich auf den Weg zu machen als Familie zusammenzuwachsen und den eignen Weg zu dritt zu finden, ist sehr schön zu lesen.

Nach und nach beginnen Fabian und Nico mit Yanti ihren eigenen Familienrytmus zu finden und zu leben. Sie probieren aus und man kann aus dem Text, als auch aus den Fotos, die im Buch enthalten sind, diese wunderbare Liebe zu dem kleinen Menschen gut sehen.

 „Jetzt ist sie da. Unser Wunschkind. Yanti passt in keine Schublade- genau wie das Leben, das wir beide lieben. Es ist, als würde sie uns sagen, dass wir anders leben dürfen.“

Das Buch hat mich wirklich berührt in seiner Ehrlichkeit und der Offenheit der Gefühle. Es rückt vieles wieder „ gerade“ und hiflt beim Lesen wieder die wahren wichtigen Dinge zu fokussieren.

[Ich liebe das Foto, das auf der Buchrückseite abgedruckt wurde.]

 

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1 Kommentar

  1. September 21, 2018 / 12:46 pm

    Das ist ja mal eine ganz besondere Interpretation des Begriffes “Abenteuerromen”. Ich finde aber, dass es sehr gut passt, so wie Du das Buch beschreibst. Eine ganz neue Situation für das Paar, und die Tatsache, dass ihre Tochter das Down-Syndrom hat, macht sie nochmal besonders. Deine Rezension zu dieser ehrlichen und reflektierten Beschäftigung mit dieser neuen Familiensituation hat mich sehr neugierig auf das Buch gemacht und es ist sofort auf meine Leseliste gewandert. Vielen Dank für’s aufmerksam machen!
    Liebe #Litnetzwerk-Grüße
    Gabi

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