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“Offene See” von Benjamin Myers

Offene See

“Offene See” von Benjamin Myers

erschienen am 20.03.2020 bei Dumont

umfasst 270 Seiten

*vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung* Herzlichen Dank an Dumontverlag und Netgalley für die Bereitstellung des Leseexemplars!


Klappentext:

Der junge Robert weiß schon früh, dass er wie alle Männer seiner Familie Bergarbeiter sein wird. Dabei ist ihm Enge ein Graus. Er liebt Natur und Bewegung, sehnt sich nach der Weite des Meeres. Daher beschließt er kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, sich zum Ort seiner Sehnsucht, der offenen See, aufzumachen. Fast am Ziel angekommen, lernt er eine ältere Frau kennen, die ihn auf eine Tasse Tee in ihr leicht heruntergekommenes Cottage einlädt. Eine Frau wie Dulcie hat er noch nie getroffen: unverheiratet, allein lebend, unkonventionell, mit sehr klaren und für ihn unerhörten Ansichten zu Ehe, Familie und Religion. Aus dem Nachmittag wird ein längerer Aufenthalt, und Robert lernt eine ihm vollkommen unbekannte Welt kennen. In den Gesprächen mit Dulcie wandelt sich sein von den Eltern geprägter Blick auf das Leben. Als Dank für ihre Großzügigkeit bietet er ihr seine Hilfe rund um das Cottage an. Doch als er eine wild wuchernde Hecke stutzen will, um den Blick auf das Meer freizulegen, verbietet sie das barsch. Ebenso ablehnend reagiert sie auf ein Manuskript mit Gedichten, das Robert findet. Gedichte, die Dulcie gewidmet sind, die sie aber auf keinen Fall lesen will.


So hat es mir gefallen:

Der Schreibstil von Benjamin Myers hat mich sehr beeindruckt. Ich hatte so oft das Gefühl einen „Klassiker“ zu lesen, einen Roman eher aus der Zeit des Naturalismus, vor mir zu haben.

Robert macht sich auf, aus der Enge der elterlichen Heimat, die für ihn nur den gleichen Lebensweg wie den seines Vaters (im Bergbau) als Zukunft bereit hält, um zu Wandern. Er wandert an die Küste und wandert dadurch in ein „neues“ anderes Leben. Zufällig trifft er auf das Cottage von Dulcie und kann dort ein paar Tage bleiben und arbeiten. Mit Dulcie lernt er eine völlig andere Facetten des Lebens kennen und erlebt eine unabhängige eigenständige Frau.

Der Roman spielt in der Zeit kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Er beinhaltet ein zeitloses Thema. Was macht das Leben lebenswert und wie kann man sein Leben authentisch leben. Wie kann man sich aus den unsichtbaren Ketten eines vermeintlich vorbestimmten Lebensentwurfs befreien und den Mut aufbringen Neues zu wagen. Robert findet in Dulcie eine Mentorin, die das Beste in ihm zum Vorschein bringt. Gleichzeitig hilft Robert ihr über eine tragische Zeit hinweg, so dass beide jeweils zu einer Art „Retter“ des Anderen werden.

Ich mochte die zaghafte Annährung Roberts an ein anderes Lebenskonzept. Die Geschichte ist in einem tollen Tempo erzählt, so dass man die Wandlung der Charaktere sehr gut nachvollziehen kann.

Robert und Dulcie sind Protagonisten, die man mag, mit denen man gerne zusammensitzen würde, nur um ihren Gesprächen zu lauschen.

„Romantik ist Gefühl und Romantik ist Freiheit. Romantik ist Abenteuer und Natur und Wanderlust. Sie ist Meeresrauschen und der Regen auf deiner Zeltplane und ein Bussard hoch über einer Wiese und das morgendliche Erwachen mit der Frage, was der Tag wohl bringen mag, um dann loszuziehen und es herauszufinden. Das ist Romantik.“

„Offene See“ ist definitiv zu einem Lieblingsbuch geworden. Die sanfte poetische Erzählweise und die Erzählung eines Lebens, gepaart mit ein paar historischen „Feinheiten“ ist wunderbar gelungen. Selbst das Ende, das mich ein paar Tränen gekostet hat, schliesst einen Kreis um diese Geschichte und ist so wunderbar allgemeingültig.

Ein Roman der aus der Zeit gefallen scheint und unglaublich zeitlos ist. Ich freue mich schon auf die nächsten Bücher von Benjamin Myers.

Eine absolute Leseempfehlung!

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