„Tage ohne Hunger“ von Delphine de Vigan [ Rezension]

„Tage ohne Hunger“ von Delphine de Vigan ist 2017 im Dumont Verlag erschienen, wurde von Doris Heinemann ins Deutsche übersetzt und umfasst 176 Seiten.

Zum Inhalt:

Laure ist neunzehn Jahre alt und magersüchtig. In lebensbedrohlichem Zustand wird sie in eine Klinik eingeliefert. Der Roman erzählt von dem dreimonatigen Klinikaufenthalt in dem Laure sich ins Leben zurückkämpft.

So hat es mir gefallen:

Delphine de Vigan´s Buch war nicht das erste Buch zum Thema “ Magersucht“ das ich gelesen habe. Ich wusste ungefähr was auf mich zukommt. Der Aspekt des “ Suchtgeschehens“ in dieser Krankheit und das Wiederfinden der eigenen Macht, ist hier sehr gut beleuchtet. Nach und nach erfährt der Leser von Laure´s Kindeheits- und Familiengeschichte. man nimmt aktiv an Laure´s Kampf gegen die Krankheit teil, erfährt von der großen Angst in einer hoffnungslosen Welt, in der sie sich zu unbedeutend fühlt um weiterzuleben.

„Eines Morgens spürte sie, dass die Kälte bis in die Spitzen ihrer Gliedmaßen vorgedrungen war, bis in die Fingernägel, bis in die Haare. Sie wählte die Nummer des Krankenhauses und bat, sie mit ihm zu verbinden. In ihrem Bauch klopfte der Tod, sie konnte ihn berühren.“

Man wird Zeuge des dreimonatigen Krankenhausaufenthalts, der Sicherheit dieses geschützten Raumes und des notwendigen Vertrauensverhältnisses mit dem behandelnden Arzt.

“ Anorexie. Es fängt an wie Anorak, aber es endet mit xie. Anscheindsterben zehn Prozent daran. Vielleicht aus Unachtsamkeit. Ohne es zu merken. Ganz sicher vor Einsamkeit.“

Das Leben auf der Station wird stellvertretend zu einem Leben, in dem man Menschen begegnet, die eine Veränderung schaffen und anderen die es nicht schaffen. Der tägliche Krankenhausalltag bringt Ruhe, Ordnung und Sicherheit für Laure und hilft ihr zurück ins Leben. Es beschreibt auch den “ Mikrokosmos Klinik“ sehr gut, die Begegnungen mit den anderen Kranken, deren Hoffnungen und Nöte.

Realistischerweise wird man aber auch Zeuge davon, dass so eine Krankheit den Betroffenen nie richtig loslässt und dass es über die reine Gewichtszunahme hinaus, noch ein langer Weg zu einem „normalen“ gesunden Leben bedeutet. Wie schwierig es ist mit den Dämonen der Vergangenheit umzugehen, Alltag zu leben und nicht in “ alte Suchtmuster“ zurückzufallen.

„Sie ist so mit dieser Leere beschäftigt, dass sie nichts anderes mehr spürt, sie denkt nicht mehr, ihre Seele leidet nicht mehr.“

Delphine de Vigan´s Buch empfinde ich als sehr authentisch. Sie zeigt einen ungeschönten Blick auf eine Krankheit, von der so viele Menschen betroffen sind und die doch teilweise noch so wenig verstanden wird. Es ist in einem wunderbaren Stil geschrieben und der Leser fiebert mit Laure mit, ob sie den Kampf ums überleben gewinnt.

Eine klare Leseempfehlung!

 

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