0 In Rezensionen

“Eine Odyssee -Mein Vater, ein Epos und ich” von Daniel Mendelsohn

Eine Odyssee- Mein Vater, ein Epos und ich

von Daniel Mendelsohn

erschienen am 04.03.02019 im Siedler Verlag

umfasst 352 Seiten

*vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung*

Herzlichen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse für das Rezensionsexemplar!


Klappentext:

Eine berührende Vater-Sohn-Geschichte auf den Spuren des homerischen Epos

Als Jay Mendelsohn, pensionierter Mathematiker und 81 Jahre alt, eines Tages spontan beschließt, den Uni-Grundkurs seines Sohnes Daniel zum Thema „Odyssee“ zu besuchen, ahnen beide Männer nicht, dass dies der Beginn einer ganz eigenen Familien-Reise ist. Vater und Sohn folgen auf einer Schiffsroute den Spuren des homerischen Epos – und im Angesicht der eigenen Sterblichkeit überwinden sie ihr gegenseitiges Schweigen.

Ein 3000 Jahre alter Mythos behandelt all die Menschheitsthemen, die uns noch immer bewegen: Familie, Identität, Heimat. Und zugleich weist er einem Vater und einem Sohn den Weg, wieder zueinander zu finden.


“Eine Odyssee” ist mir zum ersten Mal auf der Buchmesse in Leipzig ins Auge gefallen. Mit hat besonders gefallen, dass sich Vater und Sohn über eine alte Geschichte annähern und etwas Gemeinsames finden können. Mich hat also vorallem die Dynamik dieser Vater-Sohn-Beziehung an diesem Buch interessiert.

So hat es mir gefallen:

Vorab muss ich erwähnen, dass ich mit dem Odysseus-Epos bisher kaum Berühungspunkte hatte und auch nur ein sehr fragmenthaftes Wissen um die Geschichten darin. Überraschend für mich, dass meine kleine Tochter mir erzählte, dass sie gerade in der 4. Klasse die Geschichten gehört hatten. Letzlich war das natürlich auch noch ein Anreiz dieses Buch zu lesen, um mehr über den Epos erfahren zu können.

Leider muss ich aber gleich anmerken, dass meine Erwartungshaltungen nicht erfüllt wurden. Ich habe mich tatsächlich durch das Buch “gequält”. Mein Eindruck war, dass der Autor hier erstmal seinen eigenen Epos schaffen wollte. Vieles wird in meinem Augen viel zu langatmig erzählt, was für die Entwicklung im Buch eigentlich gar nicht so relevant ist. So berichtet er über sein Studentenseminar, was welcher Student sagt und wie er sich die Namen seiner Studenten merkt. Der eigentliche Spannungsbogen wird nicht wirklich gehalten. Auch die vielen Informationen über den Epos sind stellenweise unstrukturiert oder wiederholend beschrieben. Für mich, der diesen Ursprungstext nicht gut kennt, eher verwirrend.

Für Liebhaber von alten Texten…

Natürlich merkt man, dass Daniel Medelsohn sehr für dieses Thema brennt und viel Wissen hat. Sehr gut gefällt mir seine Herleitung von Wörten/Begriffen. Beispielsweise beschreibt er welche Worte im Englischen “das Reisen” beschreiben- travel, journey und voyage und gibt deren Ursprung aus dem Griechischen und die unterschiedlichen Elemente, die in den Wörten enthalten sind, und damit das Reisen an sich aus verschiedenen Blickwinkeln beschreiben, wieder.

Leser, die historische Texte lieben, kommen hier auf jedenfall auf ihre Kosten. Mir fehlt da leider die Begeisterung zur Analyse bzw. ist sie mir möglicherweise im schulischen Lateinunterricht abhanden gekommen.

Vater und Sohn…

Der Charakter des Vaters von Daniel Mendelsohn kommt in der ersten Hälfte des Buches immer nur ab und an durch. Auch hier springt er zwischen den verschiedenen Familienereignissen hin und her und man weiss nicht so genau, wozu die Erzählung dieses Ereignisses eigentlich führen soll. Der Vater ist in meinem Augen auch erstmal kein sympatischer Charakter. So hatte ich ständig den Eindruck, dass Daniel Mendelsohn immer um die Anerkennung dieses “stoischen” Menschen buhlt und endlich wahrgenommen werden will. Ab ca. der Hälfte des Buches, in der auch die Kreuzfahrt der beiden mehr zum tragen kommt, nimmt das Buch, zumindest in Ansätzen, die für mich erhoffte Wendung. Die beiden Charaktere nähern sich an. So gibt es eine Szene, in der der Autor, der an Klaustrophobie leidet, an einer Exkurs nicht teilnehmen will. Der Vater nimmt in an der Hand und führt ihn. Diese Szene ist eine der wenigen, in der Emotion “fliesst”, in der man eine tatsächliche Annährung der beiden spürt.

Beim Anblick unserer Hände stellte ich zu meiner Überraschung fest, dass es mir besser ging. Ich schaute mich um, ob uns jemand beobachtete, und dachte dann mit einem komplizierten Gefühl von Erleichterung, dass es jedenfalls so aussehen würde, als habe ich meinen Vater an die Hand genommen….Und so kam es, dass ich die Grotte der Kalypso an der Hand meines Vaters besichtigte.

Schliesslich findet sich für mich erst in den letzten Kaptiteln des Buches die emotionale Beziehung der beiden Protagonisten. Dort, im Angesicht des Todes des Vaters, und über Erzählungen von Familienangehörigen gibt es diese tiefe menschliche Ebene. Die Erkenntnis was für ein Leben der Vater gelebt hat und welche Position er in der Vater-Sohn-Beziehung eingenommen hat. Diese letzten Kapitel haben sich dann für mich gelohnt “durchgehalten” zu haben.

Fazit:

“Eine Odyssee” von Daniel Mendelsohn hat leider meine Erwartungen an eine tiefere Analyse dieser Vater-Sohn Beziehung nicht erfüllt. Es ist umfangreich und sehr vielfältig in der Analyse des Epos, seiner Ursprünge und Deutungen. Man merkt, dass der Autor als Altphilologe, für sein Thema brennt. Wer hier interessiert ist, liebt dieses Buch wahrscheinlich. Für mich, ohne entsprechende Vorkenntnis, hat es mich leider nicht gepackt.

Loading Likes...
Buchcover zu im Freibad
In Rezensionen

Im Freibad [Rezension]

Juni 29, 2019

von Libby Page erschienen am 31.05.2019 bei Ullstein umfasst 384 Seiten aus dem Englischen übersetzt von Silke Jellinghaus * vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und…

Continue Reading →