“Beschreibung einer Krabbenwanderung” von Karosh Taha [ Rezension]

“Beschreibung einer Krabbenwanderung” von Karosh Taha [ Rezension]

 

 „ Beschreibung einer Krabbenwanderung”

von Karosh Taha

Erschienen 2018 bei Dumont

Umfasst 237 Seiten

-vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen-

*unbezahlte Werbung, da Rezensionsexemeplar*

 

Klappentext:

Die Vergangenheit hat eine eigene Kraft. Denn wären nicht die Erinnerungssplitter, wäre Sanaas Mutter nicht von Schwermut zu einer Salzsäule erstarrt und ihr Vater würde sich nicht wie ein verwundetes Tier zurückziehen.

Die Erschütterungen ihrer Familie und die Enge ihres Umfelds nehmen Sanaa die Luft zum Atmen. Sie rebelliert, flüchtet sich in die Welt, versucht eine andere zur sein. Doch ihre Erinnerungen und ihre Träume vermischen sich und drohen, Realität zu werden. Eine Realität, die alles gefährdet, was Sanaa sich an Freiheit erkämpft hat.


Ich hatte das Glück auf der Litblogconvention 2018 in Köln Karosh Taha im Gespräch mit Ihrer Lektorin live zu erleben. Sie ist eine Frau, die mich wirklich beeindruckt hat mit einer tollen Ausstrahlung. Um so mehr habe ich mich über das Rezensionsexemplar von Dumont gefreut- Dankeschön!

So hat es mir gefallen:

Die Sprache, die Karosh Taha verwendet hat mich direkt in Ihren Bann gezogen. Sie variiert zwischen harten und poetischen Worten und schafft allein damit eine ganz besondere Atmosphäre, die die Zerissenheit von Sanaa perfekt darstellt. Sanaa „wandelt“ innerhalb der zwei Kulturen. Zum einen ihr Studium und ihre „ deutsche/ westliche“ Identität, zum anderen ihre Herkunft aus dem Nordirak.

Sie hat noch die frühen Erinnerungen, die mit den Geschichten um ihre Familie weiterhin befüllt werden. Verheißungsvolle Bilder der frühen Kindheit bei der Großmutter parallel zum tristen Alltag in einem Hochhaus in Deutschland.

Gleichzeitig kämpft sie mit der Position innerhalb der Familie. Als Erstgeborene versucht sie den Eltern zu helfen, die Gefangen in den eigenen Depressionen und Erinnerungen schwer den Alltag bewältigen können. Sie versucht mehr und mehr über ihre Vergangenheit zu erfahren, um den Schlüssel zu finden die Eltern wieder glücklich zu machen. Die Geschichte spitzt sich immer mehr zu. Parallel zur Familiendynamik steht Sanaa zwischen zwei Männern, die unterschiedliche Seiten in ihr ansprechen. Auch hier ist der Zweispalt zwischen “alter” und “neuer” Kultur spürbar.

Die familiäre Gesamtdynamik spielt in einem Hochhauskomplex, in dem alle leben. Hier haben Tanten, Verwandte und Nachbarn mit entscheidendem Einfluss auf den Alltag und versuchen ihre eigene Macht innerhalb des Gesamtgefüges zu behaupten.

Sanaa erlebt zwei Welten einerseits die Universität und die Familie ihres Freundes und parallel die Strukturen im Hochhaus, geprägt durch tief verwurzelte Rituale, Aberglaube und Ursprungskultur.

„ Der Glaube an Baqques Kräft, an Tante Khalidas Macht ist tief verwurzelt, ich kann ihn nicht mit dem Wissen aus meinen Büchern, den Seminaren und Vorlesungen einfach abschütteln.“

Sie versucht ihren eigenen Weg, ihre Identität zu finden und wird dabei täglich von der Realität des Hochhauses und seiner Bewohner mit Resignation und Hoffnungslosigkeit konfrontiert.

Karosh Taha verwendet in ihrem Debüt Bilder wie die „ Krabbenwanderung“ oder den „ Nebel“, die der Geschichte noch eine weitere tiefere Dimension geben.

Sanaa ist eine wunderbar starke und gleichzeitig verletzliche Protagonistin mit der man sich auf besondere Weise verbunden fühlt.

„Beschreibung einer Krabbenwanderung“ ist ein wirklich beeindruckendes Buch, das mich nicht mehr losgelassen hat. Sowohl die Geschichte, als auch die Sprache sind besonders und etwas Neues.

Ich möchte gerne mehr solcher Bücher lesen, die unangestrengt und spannend zu lesen sind und so viel Tiefe besitzen!

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