“ Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg [ Rezension]

“ Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg [ Rezension]

 

„Die Vergessenen“ von Ellen Sandberg

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Erschienen 2018 im Penguin Verlag, München

Umfasst 508 Seiten

( Wird hier als Werbung gekennzeichnet, weil der Verlag verlinkt wird)

Klappentext:

1944. Kathrin Mändler tritt eine Stelle als Krankenschwester an und meint, endlich ihren Platz im Leben gefunden zu haben. Als die junge Frau kurz darauf dem charismatischen Arzt Karl Landmann begegnet, fühlt sie sich unweigerlich zu ihm hingezogen. Zu spät merkt sie, dass Landmanns Arbeit das Leben vieler Menschen bedroht – auch ihr eigenes.

2013. In München lebt ein Mann für besonderer Aufträge, Manolis Lefteris. Als er geheimnisvolle Akten aufspüren soll, die sich im Besitz einer alten Dame befinden, hält er das für reine Routine. Er ahnt nicht, dass er im Begriff ist, ein Verbrechen aufzudecken, das Generationen überdauert hat…

 

So hat es mir gefallen:

Im Rahmen meines Beitrages über den Besuch der Gedenkstätte Hadamar, habe ich von diesem Buch erfahren. Danke an das Bloggerportal, die mir diese Leseexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Zunächst war ich etwas skeptisch, ob ein so schwieriges Thema wie die Euthanasie im dritten Reich in einem Roman verarbeitet werden kann und habe mich dem Buch etwas zögerlich genähert.

Ellen Sandberg, eine Autorin aus München, die unter Pseudonym schreibt, ist es gelungen mit mehreren Erzählsträngen eine komplexe Geschichte zu erzählen, die den Leser in Atem hält.

Man erfährt, mittels Rückblenden, die Geschichte von Kathrin Mändler, über die Geschehnisse aus der Kriegszeit in einer Heil- und Pflegeanstalt. Parallel dazu erfährt Kathrins Nichte Vera, eine Journalistin, die verschwiegenen Details der Jugendzeit ihrer Tante.

Manolis Lefteris kommt mit der Geschichte über seine berufliche Stellung in Berührung. Er wurde schon früh als Kind über die Geschichte seines Vaters, der Augenzeuge eines Kriegsmassakers wurde, traumatisiert. Sein Vater hat das Gesehen dem kleinen Jungen detailliert erzählt und Manolis ist bis heute durch diese Erzählungen und die Depression seines Vaters davon tief berührt.

Die Wege von Vera und Manolis kreuzen sich und jeder muss sich die Frage stellen, wie er mit seinem Wissen und der Vergangenheit umgehen will.

“ Mama wird sie mir nicht geben, aus lauter Sorge, dass mich die Wahrheit traumatisiert. Dabei ist es die Lüge, die mich fertigmacht.“

Der Roman liest sich sehr gut. Die spannende Erzählung über verschiedene Blickwinkel und Zielebenen nimmt den Leser mit. Die geschichtlichen Hintergründe sind gut recherchiert und werden toll in die Geschichte eingebunden ohne bemüht zu wirken.

Ellen Sandberg schafft es diesen, immer noch recht unbekannten, Teil der jüngsten deutschen Geschichte in ihrem Buch Beachtung zu schenken und auch den Nachkriegsgeneration darüber zu berichten.

Ein weiterer Aspekt des Buches ist der Umgang mit Schuld und Gerechtigkeit.

Wieso wurden Täter nicht zur Rechenschaft gezogen?

Wieso durften Täter in ihren Ursprungsberufen weiter arbeiten?

Letztlich stellt sich hier auch für die beiden Protagonisten die Frage:

Gibt es eine Gerechtigkeit? bzw. Ist diese Gerechtigkeit unabhängig von Zeit?

Das Buch wirft viele gute Fragen auf.

Wie ging bzw. geht bspw. der Staat mit diesem Thema um?

Als Leser ist man mittelbar gefragt, wie man sich selbst in dieser Zeit verhalten hätte.

Die Person von Kathrin Mändler, der alten Tante, ist vielschichtig und nicht eindeutig, was ich ebenfalls sehr realistisch finde, auch wenn man manche Handlungen nicht nachvollziehen kann und gleichzeitig eben doch verstehen kann. Diese Buch malt nicht schwarz weiss, sondern zeigt sehr viele Facetten einer dunklen Zeit auf, die bis in die heutigen Generationen hineinwirken.

Da es in Romanform geschrieben ist, findet es sicher auch viele Leser, die sich nicht vordergründig mit diesen Themenkomplex beschäftigen. Es ist ein wirklich wichtiges Buch, das zum Nachdenken anregt und welches man nicht so einfach nach dem Lesen zur Seite legen kann.

Sicher auch ein interessantes Buch für Schulen, damit die Vergangenheit auch in das aktuelle Geschehen zu transportieren und gegen das Vergessen zu wirken.

Für mich eine klare Leseempfehlung!

 

 

 

 

Folge:

2 Kommentare

  1. Mai 21, 2018 / 10:27 am

    Das Buch ist bei mir auch gerade als Rezensionsexemplar angekommen 🙂 ich bin schon sehr gespannt.

    Eine schöne Rezension, die gleich noch mehr Lust auf das Buch macht! 🙂 Es scheint ja wirklich einige interessante Fragen aufzuwerfen und den Leser dazu zu bewegen, sich selbst zu reflektieren. Sowas mag ich sehr!

    LG
    Ricy

    • Mai 21, 2018 / 12:32 pm

      Liebe Ricy,
      da bin ich gespannt, wie es Dir gefällt!
      Lg Isabel

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