” Hummeln fliegen auch bei Regen” von Andrea Kraft [ Rezension]

” Hummeln fliegen auch bei Regen”
von Andrea Kraft
ist im Februar 2018 als Taschenbuchausgabe
im Goldmann Verlag erschienen
und umfasst 404 Seiten.

Zunächst herzlichen Dank ans Bloggerportal für das Rezensionsexemplar.

Klappentext:

Hannah ist 35 und weiß, wie es sich anfühlt, den Halt zu verlieren. Denn Hannah ist depressiv. Manchmal ist sie von der Krankheit so gelähmt, dass sie es kaum schafft, die Entfernung vom Bett zum Bad zurückzulegen. Als Hannah zufällig ihr altes Tagebuch in die Hände fällt, dem sie einst geheime Träume und den Namen ihres Schulschwarms anvertraute, begreift sie, dass es Zeit ist, ihr Leben zu ändern.

So hat es mir gefallen:

Der Titel des Romans und auch das Cover haben mich direkt angesprochen und ich habe die Lektüre mit freudiger Erwartung begonnen. Im Prinzip beginnt das Buch mit der Scheidung von Hannah und man erhält kleine Bruchstücke der Vergangenheit, die sich mehr und mehr zusammenfügen. Hannah kämpft mit Ihren Ängsten und Panikattacken und hat Freundinnen, die sie auffangen und sich kümmern. Die Scheidung zum Anlass nehmend, will Hannah ihr Leben ändern. Dabei findet sie auch ihr Träumebuch aus der Kindheit wieder. Sie liest immer einen Traum und nimmt ihn zum Anlass etwas entsprechend aktuell zu ändern.

Ich habe das Buch recht zügig durchgelesen und der Schreibstil ist auch so, dass er den Leser mitzieht und man mit Hannah mitfiebert. Ich muss allerdings sagen, dass ich mir von dem Buch weitaus mehr erwartet habe. Das Thema der Angstzustände ist zwar ganz gut beschrieben, allerdings empfinde ich viele Sachen als sehr unrealistisch. So ist es für einen depressiven Menschen mit Panikattacken nicht unbedingt einfach möglich sich eine einsame Finca zu mieten und mal eben nach Mallorca zu fliegen, um sich ” selbst zu finden”.

Im Flugzeug sitzt dann eine ältere Damen neben ihr und nimmt sie unter ihre Fittiche, diese Dame weiss für alles eine Lösung a´la

” Verändern Sie Ihr Leben, Hannah. Bevor das Leben sie ändert.” ( Seite 102)

…und natürlich findet die Dame sie auch in der Finca auf Mallorca ohne, dass vorher die Adressen getauscht wurden…

Überhaupt fand ich die Tatsache, dass Hannah aufgrund einer Erbschaft nicht arbeiten muss und Urlaub machen kann wie sie will, wenig realistisch. Auch die vier Freundinnen, allesamt offensichtlich ohne familiären Anhang, von denen auch noch eine Psychologin ist und die sich Tag und Nacht um sie bemühen, sind sicher wünschenswert, aber finden so bestimmt nicht statt. Auch das Traumbuch, dass auf einmal wieder auftaucht und Hannah sich traut, die Träume in Angriff zu nehmen, wenig überzeugend. Es war mir dann doch stellenweise zu viel gewollt.

Liest man das Buch als ” klassischen” Feel-good-Roman, dann ist er sicherlich ganz gelungen. Da aber das Thema ” Depression” hineinkommt, kann ich viele Aspekte nicht nachvollziehen. Da ich selbst vor vielen Jahren mit Depression und Angstattacken zu kämpfen hatte, kann ich nicht für mich behaupten, in dieser Zeit ” einfach mal den Schalter umlegen zu können” und jetzt dann mal das Leben in Angriff zu nehmen und durch die Weltgeschichte zu reisen. Vielmehr ist jeder Tag unendlich schwer, Ängste stellenweise so groß, dass man sich nicht traut das Haus zu verlassen.

Andrea Kraft beschreibt zwar in dem Roman die Panikattacken authentisch, dennoch ist die Auflösung dann doch sehr vereinfacht.

Für tatsächliche depressive Menschen kommt es eher rüber, wie- ” warte nur ab, wenn du dich wieder an Deine Träume erinnerst, dann wird alles gut!”- in meinen Augen eine gefährliche Botschaft und auch sehr oberflächlich betrachtet. Wenn es der Protagonistin nicht so gut geht, dann wird halt eine Pille eingeworfen und die Freundinnen kommen und dann wird es schon wieder.

Dass ist mir definitiv zu einfach und führt sicher auch in der allgemeinen Wahrnehmung der Krankheit ” Depression” nicht zu mehr Verständnis.

Es hätte sicher einer netter Frauenroman werden können, wenn man dieses Thema nicht mit beigemischt hätte und es damit versucht werbewirksam zu vermarkten.

Schade, aber für mich keine Leseempfehlung!

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