“ Leere Herzen“ ( Hörbuch) von Juli Zeh [ Rezension]

“ Leere Herzen“ ( Hörbuch) von Juli Zeh [ Rezension]

Leere Herzen von Juli Zeh im Hörbuchverlag erschienen

 

“ Leere Herzen“ von Juli Zeh habe ich als Hörbuch gehört. Es ist im Hörverlag erschienen und wird von Ulrike C. Tscharre gelesen.

Ich hatte bisher noch kein Buch von Juli Zeh gelesen, allerdings hat mich der allgemeine Hype um “ Unter Leuten“ und eben “ Leere Herzen“ angesprochen, mir Letzteres einmal anzuhören.

 

Zum Inhalt:

Der Roman “ Leere Herzen“ spielt im Jahr 2025 in Braunschweig. Die Merkel Regierung ist abgewählt und statt ihrer hat die BBB ( Besorgte Bürger Bewegung) das Zepter in der Hand und schafft Stück für Stück die Demokratie ab.

Britta, die Protagonistin, lebt mit Mann und Kind “ sauber“ und unbeschwert. Sie hat mit ihrem Freund Babak ihre Firma die “ Brücke“ gegründet. Hier “ behandeln“ sie, vorab durch ein IT-Logaritmus gefunden Kandidaten, die Selbstmordgedanken hegen. Diese müssen durch ein mehrstufiges Programm, um herauszufinden, wie Ernst ihnen der Suizid tatsächlich ist. Die Brücke, vermittelt dann diese potentiellen Kanditaten an Organisationen, die sie als Selbstmordattentäter für einen “ guten Zweck“ einsetzen. Eines Tages kommt es zu einem versuchten Anschlag und es scheint, als ob die Brücke Konkurrenz bekommt. Eine Bedrohung für Babak und Britta entsteht und treibt sie in die Enge.

So hat es mir gefallen:

Ulrike C. Tscharre liesst dieses Buch ganz wunderbar. Mit Ihrer ruhigen und angenehmen Stimme gibt sie dem Text eine Deutung, die das Geschehen noch ernsthafter macht.

Was ich besonders tragisch an diesem Buch fand war, daß die vermeintliche “ Utopie“ im Jahre 2025, gar nicht so weit weg von den Geschehnissen und Entwicklungen unserer aktuellen politischen Lage zu sein scheint. Man hat fast den Eindruck in eine Wahrsagekugel zu schauen. Auch der beschriebene Trend zur Politikverdrossenheit- Zeitung wird eigentlich nicht mehr gelesen; Jeder macht sein Ding und die Politik findet irgendwie statt – wird immer realer.

Für mich war das Tätigkeitsfeld der Brücke nicht wirklich realistisch und die Person “ Britta“ war mir auch etwas zu „psychisch auffallend“, gerade im Hinblick auf die Doppelbelastung Familie und Geschäft “ Brücke“. Die Personen in ihrem direkten Umfeld, Ehemann und Tochter, war mir zu farb- und bedeutungslos, schwer vorzustellen, dass sie Britta so wenig “ emotional“ erreichen.

Nichtsdestotrotz ist Juli Zeh ein interessantes Buch gelungen. Ich würde es allerdings nicht als Politthriller definieren, dafür fehlt mir dann doch die “ Thrillerspannung“, denn die Spannung im Buch wird vorallem durch Brittas Innenleben erzeugt.

“ Leere Herzen“ rüttelt dennoch auf, über die politische Entwicklung in Deutschland nachzudenken und die eigene Stellung zum Thema Politik und Demokratie zu hinterfragen.

“ Jene notorischen Nörgler, die seit Jahrzehnten mit ihrer Mißgunst und Kleinkariertheit an den Fundamenten der Demokratie graben. Die das Internet zu einer Schlammschleuder verwandelt haben. Die nur glücklich sind, wenn sie auf andere herabschauen können und sich und ihre kindischen Bedürfnisse über alles andere stellen. Die lieber simplen Verschwörungstheorien glauben, als sich mit der komplizierten Wahrheit auseinandern zu setzen. Die ständig fordern, dass sich etwas ändern muss, und durchdrehen , wenn jemand Vorschläge macht. Deren Undankbarkeit nur von ihrer Egozentrik übertroffen wird, so dass sie in der Lage sind, noch im Zustand größtmöglicher Saturiertheit, alle anderen zu beneiden.“

Der Spannungsbogen im Buch ist sehr gut gehalten, allerdings hat mich das Ende ziemlich ratlos zurückgelassen.

Hier war mir letztlich zu wenig Zeit für die “ Auflösung“ bzw. haben sich für mich ganze Handlungspositionen in Frage gestellt. Aus diesem Grund lässt mich dieses Buch sehr ambivalent zurück.

Es gibt einige wunderbare Passagen, es hinterfragt jeden Leser zum Thema Moral und Verantwortung und doch bleibt bei mir der fade Beigeschmack eines unwürdigen, zu schnellen Endes.

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