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“Moosland” von Katrin Zipse

“Moosland” von Katrin Zipse

erschienen am 10.3.2026 im Dumont Verlag

umfasst 224 Seiten

*Vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung*

Herzlichen Dank an Dumont und Netgalley Deutschland für die Bereitstellung des Leseexemplars!


Klappentext:

Als Elsa im Sommer 1949 in Island ankommt, ist sie eine von vielen. Knapp dreihundert junge Frauen aus Deutschland sind dem Aufruf der isländischen Bauernpartei gefolgt, um dort ein Jahr auf Höfen zu arbeiten. Die Bauern hoffen auf Arbeitskräfte sowie Heiratskandidatinnen, nachdem viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Sprachkenntnisse können die Frauen nicht vorweisen, aber oft haben sie nichts zu verlieren. 

Auch Elsa schweigt. Sie ist nicht hier, um zu bleiben, sie trauert um ihre Freundin Sola, und mit den Bauersleuten kann sie sich zunächst ohnehin nicht verständigen. Dennoch entsteht zwischen Grassodenhaus, leuchtenden Wiesen und endlosem Meer ein Zusammenleben, das sich Elsa irgendwann nicht mehr vom Leibe halten kann. Allein ihre Anwesenheit verändert die Dynamik auf dem Hof – besonders die der Bauernsöhne. Es gibt Erwartungen, ausgesprochene und unausgesprochene. Und dann ist da auch noch die verschwundene Tochter der Familie, über die niemand spricht und die für Elsa immer wichtiger wird … 

Katrin Zipse erzählt einfühlsam und lebendig anhand eines fast vergessenen Stücks Geschichte, was es heißt, zu einer neuen Sprache zu finden.

So hat es mir gefallen:

1949 gab es die Möglichkeit für deutsche Frauen, auf Initiative des isländischen Bauernverbandes hin, ihre zerstörte Heimat Deutschland zu verlassen, um in Island auf Bauernhöfen zu arbeiten.

In „Moosland“ reist Elsa mit Gerda zusammen auf einem Schiff nach Island. Elsa ist traumatisierte von den Ereignissen in Deutschland und wird von Gerda mehr oder weniger mitgezogen. Elsa findet sich auf einem kargen Bauernhof in Island wieder, fern jeglicher näheren Zivilisation. Dort bekommt sie Arbeit, einen Lohn und ein eigenes Zimmer. Die Familie und sie arbeiten hart in den teilweise sehr unwirtlichen Wetterbedingungen Islands.

Als LeserIn wird man schnell in die Atmosphäre hineingezogen, man erfährt nicht genau, mit welchen Ereignissen Elsa in Deutschland zu kämpfen hatte. Allerdings ist klar, das sie ihren Lebensmut verloren hat und nicht in der Lage ist Schlaf oder Ruhe zu finden. Durch die Art wie dieser Roman geschrieben ist, fühlt man direkt, wie es ist in einer fremden Sprache und Kultur anzukommen. Die Einsamkeit, die daraus resultiert und das Fremdsein. Gepaart mit Elsas Kriegstrauma ist eine sehr schwere Situation.

Noch immer fühlt sie sich, als wäre sie in die Landschaft gestanzt, ohne jeden Bezug zu ihr. Alles bleibt ihr fremd. Die baumlose Ebene und die salzige Luft, der immerwährende Wind und der Sommer, der so nass und kalt ist, dass er an keinen ihrer Sommer erinnert.

Die harte Arbeit auf dem Bauernhof, die Elsa teilweise auch noch gar nicht kannte, führt dazu, dass sie nur funktioniert.

Durch die Beschreibung der Landschaft und des rauen Klimas, erfasst man die Kargheit Islands, gleichzeitig ist es auch eine Metapher für das Innenleben von Elsa.

Die Geschichte hat ein wunderbares Tempo, sie ist ruhig erzählt und lässt sich Zeit mit der Entwicklung, so wie man es in solch einer Situation auch erwarten würde.

Das Gefühlsleben und Erleben von Elsa steht im Mittelpunkt, von den anderen Charakteren bekommt man wenig von ihrem Innenleben erzählt, trotzdem sind sie nicht farblos oder uninteressant. Durch den Fokus auf Elsa, bekommt man dennoch das Beziehungsgeflecht in der Bauernfamilie gut mit und den Kampf, den jede/ jeder zu kämpfen hat.

Ich fand die Erzählweise großartig umgesetzt und mochte es sehr über Elsa in diese Geschichte hineingezogen zu werden. Durch die langsame Erzählweise bekommt man einen guten Eindruck wie fremd sie sich fühlt und wie lange sie fremd bleibt und zwischen den Kulturen und dem Erlebten steht. Der Schreibstil ist wunderbar und fast jeder Satz ein Highlight.

Im Nachwort der Autorin erhält man noch den Kontext zu dieser Geschichte. Das Frauen aus Deutschland nach dem Krieg nach Island gegangen sind, wusste ich vorher nicht. Es ist einer dieser Bausteine aus dem Krieg, der nicht erzählt wurde und gleichzeitig so viel erzählt.

Fazit:

Moosland ist ein hervorragendes Buch über eine Seite der Nachkriegszeit, die mir bisher nicht bekannt war. Gleichzeitig spiegelt sie das Gefühl von Fremdsein in einer neuen Kultur sehr gut wieder. Trotz der langsamen Erzählweise ist es ein „Pageturner“ und zieht die LeserInnen in diese besondere Atmosphäre hinein.

Eine große Leseempfehlung!

Zum Reinhören ins Buch:

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