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“Dschungel” von Friedemann Karig [Rezension]

Buchcover Dschungel

“Dschungel”

von

Friedemann Karig

erschienen am 02.05.2019 bei Ullstein Buchverlage

umfasst 384 Seiten

* vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung*

Dankeschön an Ullstein und Netgalley für dieses Rezensionsexemplar!


Klappentext:

Er muss ihn finden. Seinen besten Freund, der schon immer auf der Jagd nach dem Extremen war – nie wird er vergessen, wie euphorisiert Felix neben ihm vor dem felsigen Abgrund stand, unter ihnen ragten die Klippen hervor wie aufgeklappte Messer. Doch selbst Felix sieht es nicht ähnlich, auf einer Reise in Asien spurlos zu verschwinden. Für den Erzähler steht fest: Nur er kann das rätselhafte Abtauchen aufklären. Dafür setzt er sogar seine große Liebe aufs Spiel. Schließlich verbindet ihn mit Felix eine besondere Freundschaft. Und ein Geheimnis, das sie ebenso eint wie trennt. Immer tiefer dringt der Erzähler auf seiner Suche in das wilde Kambodscha vor, in dieses nie genesene Land ohne Gedächtnis, immer verzweifelter durchforstet er seine Erinnerungen nach einem Hinweis, was passiert sein könnte. Bis er begreift, dass er den Freund nur retten kann, wenn er mit ihm verschwindet.


Das Buch “Dschungel” hat mich schon direkt mit seinem Cover “gefangen genommen”, ohne den Inhalt wirklich zu kennen.

Die Geschichte hat mich auf zweifacher Weise interessiert. Einerseits finde ich Kambotscha als Land sehr faszinierend, zum anderen finde ich das Thema “Dynamik einer Freundschaft” sehr interessant.

Im letzten Jahr war eines meiner Highlights “Dunkelgrün fast schwarz” von Mareike Fallwickl. Auch drin geht es um eine Freundschaft, die in Kindertagen begann und aus der sich ein “Ungleichgewicht der Machtverhältnisse” entwickelt hat. Friedemann Karigs Roman erreicht dies nochmal auf einer anderen Ebene.

So hat es mir gefallen:

Der namenlose Erzähler macht sich auf die Suche nach seinem Freund Felix, mit dem er seit frühester Kindheit in einer recht ambivalenten Freundschaft verbunden ist. Im Gegensatz zu Felix ist er allerdings der vermeintlich Schwächere mit vielen Ängsten und eher ein zurückhaltender Typ. Felix ist für ihn ein Held, den er auf der einen Seite enorm bewundert für seine “Grenzenlosigkeit” und gleichzeit auch hasst, weil er ihn immer wieder herausfordert und sein eigenes vermeintliches Unvermögen spiegelt. Nach Felix Verschwinden, wird er von dessen Mutter “genötigt” ihn in Kambotscha zu suchen.

Das Thema Freundschaft…

Neben dieser Reise und der Suche, erfährt der Leser viele Details der Freundschaft. Vom ersten Kennenlernen über unterschiedlichste gemeinsame Erlebnisse in der Kindheit und Jugend der beiden. Gleichzeitig wird die Spannung immer aufrecht gehalten, indem man nach dem “Geheimnis” sucht, was diese beiden Männer so stark aneinander festhalten lässt.

Was ist geschehen, dass “der Suchende” nicht davon loskommt Felix finden zu wollen, sogar so weit, dass er seine Liebe zu seiner Freundin aufgibt.

Muss eine wahre Freundschaft so stark sein?

Wie vergiftet ist diese Beziehung und was hat dazu geführt?

Der Schreibstil Karigs hat mir sehr gut gefallen. Er schreibt sehr bildhaft und mitreissend und man sieht die Geschichte fast als Film vor dem geistigen Auge. Gleichzeitig  nutzt er eine phantatische Sprache mit wunderbaren, fast schon philosophischen Sätzen.

“Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann einen Wirbelsturm in meinem Selbst auslösen. Identität ist Instabilität. Wenn die Suche zu Ende ist, bin ich auch zu Ende.”

Die Backpacker-Szene in Asien wird in kleinen Nebensätzen sehr gut analysiert.

Was macht dieses Reisen mit den Einheimischen und der gesellschaftlichen Struktur dieser Länder? Wie zynisch ist der Ansatz derer, die solch eine Reise machen? Welche Verantwortung tragen sie für ihre Abenteuer-/Freiheitslust?

“Der Planet brummt von unseren Begwegungen….Aber nicht um zu überleben, sondern um zu erleben. Am liebsten in armen Ländern, wo man sich viel mehr leisten kann als zu Hause. Man reist sich reich. Und eine ganze Industrie kassiert:…”

“Dschungel” beschreibt das Erwachsen werden an sich, die Suche nach der eigenen Identität. Wie weit wirkt die Vergangenheit in die Zukunft?

Das Ende des Romans hat mich allerdings irgendwie “kalt erwischt”. Um nicht zu viel vorwegzunehmen, es gibt eine Art Auflösung und die Fragestellung:

Wie weit muss man Reisen, um sowohl physisch, als auch psychisch  der Familie bzw. dem Trauma Familie zu entkommen?

Interessant war für mich, dass Kambotscha als Land, stellvertretend für das Trauma der Protagonisten gesehen werden kann. Ein Land, dass bemüht ist die Schrecken der Vergangenheit zu vergessen, neu anzufangen, ohne Erinnerung zu leben.

Liegt darin die unltimative Freiheit?

Fazit:

Friedenmann Karigs Roman hat mir außerordentlich gut gefallen. Es läßt sich rasant lesen in einer wunderbaren Sprache. Man fiebert mit dem namenlosen Protagonisten mit und hofft, dass sich alles zum Guten wendet, auch wenn man nicht weiß was “das Gute” eigentlich sein soll. Diese Ambivalenz bringt einen extra Aspekt Spannung in die Geschichte. Mir hat auch gefallen, dass alle auftauchenden Peronen sehr glaubwürdig erscheinen und hier nichts konstruiert wirkt. Die Zeitsprünge von Vergangenheit zu Gegenwart sind gut miteinander verwoben und bringen eine ganz eigene Dynamik in die Geschichte.

Für mich eine absolute Leseempfehlung!

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