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“Über alte Wege-Eine Reise durch die Geschichte Europas” von Mathijs Deen [Rezension]

Buchcover über alte Wege

Über alte Wege

Eine Reise durch die Geschichte Europas

von Mathijs Deen

erschienen 12.04.2019 im Dumont Verlag

umfasst 416 Seiten,

*vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung*

Herzlichen Dank an den Dumont Verlag für das Rezensionsexemplar!

 


Klappentext:

Über das, was Europa seit jeher verbindet

Menschen reisen seit einer Million Jahre durch Europa. Unter jedem Fußabdruck befindet sich ein früherer, unter jeder asphaltierten Straße ein Esels- oder Karrenweg. Der niederländische Schriftsteller Mathijs Deen möchte unseren Blick für die großen Straßen Europas schärfen, spielen sie doch die heimliche Hauptrolle in der Geschichte unseres Kontinents. Denn von dem Augenblick an, als der erste Mensch von Afrika kommend europäischen Boden betrat, sind wir unterwegs. So nähert sich Mathijs Deen dem wahren Geist Europas, in dem er den Lebenswegen von Vertriebenen, Wegelagerern, Pilgern, Glücksjägern und Rennfahrern folgt, deren faszinierende Leben sie entlang der Küsten und über die Flüsse und Straßen Europas geführt haben – von Byzanz nach Rom, von Wassenaar nach Smolensk, von Paris nach Wien. Er porträtiert die ersten Europäer ebenso wie historisch verbürgte Personen. Dem Leser begegnen jüdische Flüchtlinge, Soldaten, isländische Eroberinnen und zwangsverheiratete römische Ehefrauen: ›Über alte Wege‹ nimmt den Leser mit auf eine abenteuerliche Fahrt durch Europa und eine faszinierende Reise durch die Zeit. Und es nimmt in den Blick, was uns verbindet und Europa zu dem gemacht hat, was es heute ist.


 

„Unter den Menschen“ war das erste Buch von Mathjis Deen, das ich gelesen habe. Die Sprache und Art zu Schreiben gefiel mir ziemlich gut. Bei „Über alte Wege“ handelt es sich um ein Sachbuch und ich war gespannt, wie es mir gefallen würde.

 Die Thematik, aktueller den je, hat mich direkt angesprochen. Sich mit der Geschichte Europas bzw. der Länder, die wir heute als Europa bezeichnen, zu beschäftigen, ist sicher nicht unerheblich, um heutige Entwicklungen zu verstehen oder einzuordnen zu können.

 

So hat es mir gefallen:

Eingeordnet in die Kategorie „Sachbuch“, liest sich „Über alte Wege“ aber überhaupt nicht wie eine trockene Aufzählung von Fakten. Ganz im Gegenteil. Mathijs Deen schafft es den Leser direkt in das Geschehen hinein zu holen. Er entwickelt, um die reinen historischen Begebenheiten die Charaktere und gibt Ihnen eine Lebendigkeit, dass man stellenweise das Gefühl hat, eher einen Abenteuerroman zu lesen.

Viel mehr als ein „Geschichtsbuch“…

Bei diesem Buch handelt es sich eigentlich eher um eine Sammlung von Geschichten, die uns in unterschiedliche zeitliche Epochen führen. Neben persönlichen Erlebnissen des Autors, erfährt man über die ersten Europäer Begebenheiten aus der Zeit von 800.000 v. Chr, das Leben und Reisen auf der Via Appia im Jahr 207, bereits in 1653 über jüdische Flüchtlinge, 1812 über den Napoleonfeldzug, die ersten europäischen Autorennen in 1902 und zum Ende auch über die aktuelle Situation in Europa.

Mir persönlich hat die Geschichte um die Isländerin Gudrid am besten gefallen, die um 1025 mehrfach ihre Heimat verlässt und später sogar bis nach Rom zum Papst pilgert. Ein unglaubliches Unterfangen zu dieser Zeit. Hier wird darüber berichtet welchen Einfluss die Kirche auf die Menschen hatte und wie viel alte Rituale und Glauben verloren ging bzw. die Kultur, in diesem Fall Gudrid´s isländische Kultur, mehr und mehr verschwand und die Menschen mit „leeren Hülsen“ zurück lies in deren Ritualen sie keinen Frieden finden konnten.

Der Leser reist mit….

Mathijs Deen führt immer über einen aktuellen persönlichen Bezug in die jeweilige Geschichte ein und berichtet kurz, wie er in Kontakt mit dieser Geschichte gekommen ist. In „Der Glücksjäger“ S. 204 ff., sucht er einen Ort in den Pyrenäen auf, der nach wie vor existiert und den Reisende bereits um 1653 passiert haben. Von dort leitet er geschickt und fließend in die alte Zeit über.

Geschichte wird „Über alte Wege“ tatsächlich lebendig.

Wunderbarerweise schafft es der Autor die Atmosphäre der Vergangenheit aufleben zu lassen. Geschichtliche Epochen bekommen mit einem Protagonisten der Zeit, eine Art Identifikationsfigur. Mit der Beschreibung der Lebensweise, von Gerüchen und klimatischen Bedingungen, fühlt und erlebt man die Härte unterschiedlichster Zeitepochen.

Historische Personen erhalten ein Gesicht und eine „Gedankenwelt“. Gut gefallen hat mir, dass es sich hier nicht um allgemein bekannte historische Personen handelt, sondern vielmehr „Nebenfiguren“, die klassischerweise nicht in einer Schullektüren auftauchen.

Fazit:

Mit “Über alte Wege” ist ein wunderbares Buch über Europa gelungen. Über eine Million Jahre ziehen Menschen durch Länder mit unterschiedlichster Motivation. Durch die lebendigen Sprache und Erzählart lernt man ein Europa kennen, dass eigentlich noch nie in starren Grenzen „funktioniert“ hat, sondern immer schon Menschen, die flüchten mussten oder auch neue Horizonte suchten, angezogen hat.

„Ich bin inzwischen ziemlich viel durch Europa gereist und damit ist mir vor allem eins klar geworden: Wenn Menschen früher Grenzen überquert haben, dann haben sie mehr oder weniger zur Recht angenommen, dass es ein Risiko war, sich auf das Gebiet der Nachbarn zu begeben. Sie mussten einen guten Grund dafür haben; ob sie nun vertrieben worden waren, ob sie auf der Suche nach einem neuen Leben waren oder glaubten, dass ihr Seelenheil davon abhing.“

Was ich ebenfalls besonders finde an diesem Buch, ist die Emotionalität mit der sich der Autor mit den Themen auseinandersetzt. Man spürt das Interesse und das Wissen, dass er für dieses Thema hat. Im Anhang beschreibt er die genutzen Quellen und auch wie er diese Geschichten gefunden hat.

„Als ich am Konzept für dieses Buch arbeitete, dachte ich: Bevor ich zu schreiben anfange, will ich Europa aus der Ferne sehen, als unbekannte Küste, als Land auf der anderen seite. So wie der erste Mensch, der jemals Europa von Weitem sah und den Wunsch verspürte, dort zu sein.“

Mit seinem schriftstellerischen Vermögen, gelingt es Mathijis Deen historische Geschehnisse fühlbar zu machen und das finde ich eine großartige Leistung, Die Gedanken- und Gefühlswelt von Menschen, die Ihr Land verlassen, zu verstehen, ist sicher ein sehr guter Beitrag, um Verständnis und Empathie für Menschen, die in unser Land kommen, zu erzeugen. Er schafft es Fakten und persönliche Erlebnisse zu verknüpfen und damit eine Tiefe zu erzeugen.

„Über alte Wege“ ist ein tolles Buch, sehr lesenswert und berührend.

 

 

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