“Sommer in Super 8” von Anne Müller [Rezension]

“Sommer in Super 8” von Anne Müller [Rezension]

 “Sommer in Super 8”

von Anne Müller

Erschienen am 27.08.2018

Penguin Verlag

* vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung*

Vielen Dank an das Bloggerportal von Randomhouse, die das Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben!

 

Klappentext:

Schallerup, nahe der Ostsee, in den 70er-Jahren. Hier wächst Clara in einer großen, turbulenten Landarztfamilie auf. Und alles Wichtige in Claras Leben ereignet sich an einem Mittwoch. Immer Mittwochs kommt der Fischmann, an einem Mittwoch findet die erste Tanzstunde statt, der erste Kuss- und auch die Sache mit ihrem Vater passiert an einem Mittwoch.

So hat es mir gefallen:

Mich hat bei der Auswahl des Buches erstmal das „Super 8“ im Titel angesprochen. Ich wurde  direkt zurückkatapultiert in die eigene Kindheit der 70er Jahre.

Claras Geschichte zu lesen ist tatsächlich eine Reise in die Vergangenheit. Mit vielen Details erzählt Anne Müller über eine Kindheit in Norddeutschland und beschreibt sehr gut die Atmosphäre und den Zeitgeist.

Clara wächst als mittleres Kind in einer Landarztfamilie auf. Man nimmt Teil am ihrem „Erwachsenwerden“ in einer Kleinstadt. Von der Konfirmation mit dem dazugehörigen Konfirmandenunterricht, über Tanzstunde bis hin zum ersten Kuss.

Partys im Elternhaus, bei denen Clara und ihre Schwester mit dem Zigarettentablett herumgingen und ihr Bruder an der Bar Bier zapfte.

Ich kann mich selbst noch gut an diese Art von Partys erinnern, die bei uns zuhause ebenfalls mit eigener Hausbar und viel Zigaretten und toupierten Haaren stattfanden. Heutzutage kann man es sich gar nicht mehr vorstellen, dass Kinder Zigaretten anbieten.

Mich würde mal interessieren, wie dieses Buch auf Leser wirkt, die diese Zeit nicht aus eigenem Erleben kennen.

Natürlich spielen auch die im Titel erwähnten Super 8 Filme, die das Familienleben festgehalten haben, eine Rolle.


„Der Film begann, kein Vorspann, kein Text, kein Ton, außer dem heimeligen  Rattern des Projektors, es ging gleich los, mitten hinein ins Leben, in Farbe…..Immer wuselte es auf der Leinwand, waren es mit Nachbarn und Freunden sehr viele Kinder, die sich bei uns Königs im großen Garten in Badesachen auf dem Rasen nass spritzten mit dem Gartenschlauch, die ein Zelt aufbauten, turnten, Kindergeburtstag feierten.“

In meiner Erinnerung war es sehr besonders, wenn das Zimmer verdunkelt wurde, die Leinwand aufgehängt und das Filmgerät anfing zu rattern. Welcher Spaß war es den Hochzeitsfilm der Eltern rückwärts laufen zu lassen. Auch das mittlerweile unvorstellbar in Zeiten von youtube und netflix.

Das Buch von Anne Müller hat aber auch noch eine andere Dimension, außer der schönen „Erinnerung an früher“.

Der Alkoholkonsum des Vaters spitzt sich immer mehr zu und belastet die Familie bis es zur Katastrophe kommt (ich werde hier nicht spoilern).

Und hier liegt für mich das Problem mit diesem Buch. Der Aspekt der Kindheit und Jugend in dieser Zeit wird sehr intensiv und über 2/3 des Buches vermittelt. Die familiäre Problematik durch den Vater, wird zwar immer mal wieder angedeutet, spitzt sich aber erst zum Ende des Buches hin zu und hat für mich letztlich leider zu wenig Raum gehabt. Das „Gleichgewicht“ der Themen stimmt für mich hier nicht.

Die Dramatik am Ende des Buches, die schon eine ziemliche Komplexität beinhaltete, hat zu wenig Raum.

Im ersten Teil des Buches wurden mir manche Begebenheiten zu detailliert erzählt und zum Ende hin fehlt die Zeit und die Ruhe in der Erzählung.

Fazit:

Der Roman von Anne Müller ist ein schön nachzulesendes und unterhaltsames Zeitdokument. Die darin enthaltene Tragik der Familiengeschichte wird mir leider zu oberflächlich erzählt und das Ende ist mir zu schnell.

Möglicherweise liest man das Buch „anders“, wenn man selbst kein “Zeitzeuge” ist.

 

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