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“Weiter weg ist näher dran” von Myriam Goos

Weiter weg ist näher dran

“Weiter weg ist näher dran-Warum ich erst nach Neuseeland auswandern musste, um mir und anderen noch näher zu sein”

von Myriam Goos

erschienen am 20.09.2021 im Goldmannverlag

*vorsorglich kennzeichne ich hier die Links, die zur Verlagsseite und zur Autorenseite führen als Werbung*

Herzlichen Dank an den Goldmannverlag und das Bloggerportal für die Bereitstellung des Leseexemplars!


Klappentext:

Neue Prioritäten im Leben setzen, gewohnte Denkstrukturen hinterfragen, sich aus der Bequemlichkeit des Alltags verabschieden – genau das haben Myriam Goos und ihr Mann getan, als sie mit Mitte 30 nach Neuseeland ausgewandert sind. Nach jahrelangen erfolglosen Versuchen, eigene Kinder zu bekommen, war die Entscheidung klar. »Nicht das Nicht-da-sein von Kindern sollte unser Leben bestimmen, sondern das Da-sein neuer Chancen, Herausforderungen und Freiheiten. In ein Land ziehen, in dem die Leichtigkeit des Lebens noch funktioniert, die Natur verschwenderisch verteilt ist und es in regelmäßigen Abständen mal rumpelt«, sagt Myriam Goos. Sehr persönlich erzählt sie von ihrem Aufbruch und dem Ankommen in der neuen Welt, vom neuseeländischen Leben in all seinen Facetten sowie ihrer Auseinandersetzung mit Heimat und Familie, wozu auch das Sterben der Mutter zählt. Nach einiger Zeit wird ihr klar: 18.000 km Entfernung sind nicht unbedingt weiter weg, sondern manchmal näher dran.

So hat es mir gefallen:

Myriam Goos und ihr Mann beschliessen, dass sie sich nach einem unerfüllten Kinderwunsch neu ausrichten wollen. Die Idee wächst, nochmal ganz woanders von vorne zu beginnen. Sie beschliessen nach Neuseeland auszuwandern.

Myriam erzählt sehr kurzweilig und präzise, wie sie zu diesem Entschluss kamen und was er für ihr Leben und auch das Leben ihrer Familien bedeutet.

2006 wagen sie den großen Schritt und verlassen Deutschland. Myriam Goos berichtet mitreissend und humorvoll über ihre Entscheidungen, das Ankommen in Neuseeland und reflektiert immer wieder, wie es sich anfühlt in einem neuen Land anzukommen. Besonders spannend fand ich die beschriebenen Unterschiede zwischen den Deutschen und den „Kiwis“, die hier nie in einen clichehaften Vergleich abdriften. Sie erzählt ehrlich und authentisch auch über die Dinge die nicht gut funktionieren. Wie schwierig es ist die eigene Identität und vor allem den eigenen Humor und das sozialisierte Verhalten umzusetzen, wenn die neue Sprache noch nicht verinnerlicht ist und man in einigen Bereichen noch nicht versteht, wie die neuen Mitmenschen so „ticken“.

Wie schafft man es den Kontakt zu Freunden und Familie aufrecht zu halten und es auszuhalten, dass man nicht mal eben vorbeikommen kann, wenn Hilfe benötigt wird.

Mir hat an dem Buch sehr gut gefallen, dass es die persönliche Erfahrung wiedergegebene hat und weniger das Land oder bestimmte Formalismen beschrieben wurden.

Damit umzugehen, wenn die Eltern in der Heimat altern und sterben und man sich am anderen Ende der Welt befindet und wie man dann „nach Hause“ zurückkehrt, um Abschied zu nehmen, ist unter anderem eines dieser persönlichen Themen. Auch wie sich der Blick nach einigen Jahren auf das eigene Heimatland verändert und somit die eigene Veränderung gespiegelt wird, ist hier Thema.

Was so „frisch“ als Auswandererbuch vordergründig daherkommt, ist eine tiefe Reflektion und Auseinandersetzung mit dem Leben, den Möglichkeiten und der Offenheit mit denen man dem Leben begegnet.

14 Jahre leben Myriam und ihr Mann Ro mittlerweile in Neuseeland. Sehr schön beschreibt sie zum Ende des Buches nochmal, dass diese Entscheidung sie mehr zu sich selbst gebracht hat.

„Denn auch wenn wir uns damals für Neuseeland entschieden haben, geht es meiner Ansicht nach doch vor allem darum, der eigenen Sehnsucht und dem Herzen zu folgen und offen zu sein für die vielen Chancen, die einem das Leben bietet. Ja, wir hatten Glück, aber das Glück will auch herausgefordert werden. Ja, vieles war vielleicht Zufall, aber auch Zufälle müssen erkannt und am Schopf gepackt werden.“

Seite 227/228

Genau diese Sichtweise ist es, die wirkliche Chancen bietet. Myriam ist offen für das neue Land, sie macht Jobs, die mit ihrem Job in Deutschland nichts zu tun haben und findet darin auch neue Aspekte in sich selbst. 

Fazit:

Mir hat dieses Buch richtig gut gefallen. Es macht Lust auf Neues, auch wenn man nicht gleich nach Neuseeland auswandern muss. Der Mut und die Offenheit von Myriam und Ro sind vorbildhaft und ihr Reflektionsvermögen bringt dem Buch eine wunderbare Tiefe. Eine wirklich inspirierende Leseerfahrung!

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